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Lesetipp X: Aufbruch in die Schönheit

Abkürzungen sind praktisch, sie bändigen umständliche Bezeichnungen und verflüssigen dergestalt die Kommunikation. Das gilt erst recht für Akronyme, deren einzelne Buchstaben für genau ein Wort stehen. Wer wollte schon medizinisch korrekt vom Angenommenen Immun Defekt Syndrom sprechen, wenn eine chronische Immunschwäche gemeint ist, die seit fast 30 Jahren die von ihr befallenen Menschen nach (mittlerweile) langer Leidenszeit krepieren lässt? Da klingt doch Aids sehr viel schneidender, bar jeder Romantik und abschließend wie ein Urteil. Respektlose Jugendliche haben die vier Buchstaben kalauernd aufgelöst zu Ab in den Sarg; der Dichter Detlev Meyer, der der Krankheit nach langem Kampf schließlich selbst erlag, entschied sich für den Aufbruch in die Schönheit. Aids mitsamt seinem Elend mit seiner Antithese, der Schönheit, zusammen zu spannen, ist dreist und verzweifelt. Aber es passt zu Meyers Habitus, der sich Zeit seines Leben und Schreibens als Bewohner eines sexuellen Paradieses gesehen hat, aus dem er vertrieben wurde – erhobenen Hauptes und sprachlich unanfechtbar.


Detlev Meyer wird 1950 in Berlin geboren. Nach dem Studium der Informationswissenschaft arbeitet er als Bibliothekar in Toronto und als Entwicklungshelfer auf Jamaika. Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt debütiert er 1981 mit dem Gedichtband „Heute nacht im Dschungel“. Es folgen launige Essays für diverse Zeitschriften, Rundfunkbeiträge, weitere Gedichtbände und die Romantrilogie „Biographie der Bestürzung“ (1985 bis 1989). Meyer ist der erste deutsche Autor, der sein Schwulsein un-verschämt und geradezu hymnisch thematisiert, er ist ebenfalls der erste, der sich in den 1980er Jahren literarisch mit Aids auseinandersetzt. In der schwulen Subkultur genießt er einen Kultstatus, das bürgerliche Feuilleton attestiert ihm zwar sprachliche Brillanz, schreibt ihn aber doch primär als Szeneautor ab. So bleiben ihm zu erwartende literarische Ehrungen in Form von Preisen verwehrt, seine Texte werden in engagierten, kleinen Verlagen veröffentlicht. Detlev Meyer stirbt 1999 an den Folgen von Aids, er wird in Friedenau beerdigt, in Rufweite von Marlene Dietrich.

Meyers Metathema, schwuler Alltag in der Großstadt, ist unspektakulär. Doch an Stelle einer Chronik verfasst er eine Ode, er fotografiert nicht, sondern malt in Öl, wo andere zitieren, stimmt er das Hochamt an. Meyer feiert die Libertinage und den Hedonismus „des“ Schwulseins, dabei tief in den Kanon greifend. Da erwachen Arthur Rimbaud und August von Platen, Thomas Mann parliert mit André Gide, Jean Genet trifft auf Oscar Wilde, David spielt mit Maximin und Florestan. Lyrisch ist Meyer formvollendet geschult an Rainer Maria Rilke, Stefan George und Else Lasker-Schüler, ihm gelingen Verse wie „Hör mich in den Winden, // Und sieh mich in dem See, // Lies aus der Bäume Rinden, // Den Weg, den ich nun geh. // Und auf den weiten Fluren, // Da bleibe suchend stehen, // Und finde meine Spuren, // Bevor sie dir verwehen.“ Meyers literarisches Alter Ego ist ein Anbeter seiner selbst, beteiligt an Platons „Symposion“, seine Schwester ist Alice im Wunderland, seine Heimstatt ist ein Spiegelkabinett, seine Schule der Olymp. Meyers dichterischer Ton korrespondiert mit der ewigen Heiterkeit, er ist federleicht und himmelsüchtig.

Unser Leben sei ein Fest, schallt es unentwegt aus seinen Büchern. So fließt Champagner aus dem Wasserhahn, die Julinacht hat 36 Stunden, die Zahl der Liebhaber übersteigt schon lange die der Achselhaare. Doch schlagartig endet die Party, und niemand hat in Drachenblut gebadet: Aids steht nicht auf der Gästeliste und verschafft sich Einlass da, wo es am meisten schmerzt. Der Tod gesellt sich zu den Männern um die 30, ihre Reihen grausam lichtend. Voller Zärtlichkeit und Mut lernen diese, im anderen nicht den nächsten Höhepunkt, sondern den Anker zu sehen: „Wie gern möchte ich das glauben können! Vielleicht gehen wir – wenigstens außerhalb unserer Jagdreviere und Fischereizonen – menschlicher miteinander um als die Heterosexuellen; vielleicht ist unsere einzig nennenswerte Veranlagung die zur Freundschaft.“ Zu ergänzen wäre noch: der Hang zum Exaltierten, zu Drama, Schwulst und Pose, kulminierend in der Unterwerfung unter die Schönheit. Diese als Ideal in Kunst und Leben dann noch hochzuhalten, wenn sie individuell durch Alter und Krankheit verwüstet ist. Des rettungslosen Ästheten Poesie liefert die Worte für dieses Vorhaben: „Auch das Miese hat einen Begriff von dem Großartigen, auch die Erpel wollen Schwäne sein.“ Ein lichtes Vademekum für die dunkle Jahreszeit, ach was, für alle Zeit. Hélas!


Lieferbare Bücher von Detlev Meyer:
  • Heute nacht im Dschungel. Fünfzig Gedichte, Düsseldorf 1992, Eremiten-Presse (Erstveröffentlichung 1981)
  • In meiner Seele ist schon Herbst. Eine Gymnasiastenliebe, Hamburg 1995, MännerschwarmScript
  • Stern in Sicht. Gedichte, Hamburg 1998, MännerschwarmScript


Vergriffene, antiquarisch erhältliche Bücher:
  • Die PC-Hure und der Sultan. Geschichten 1986 bis 1996, Hamburg 1996, MännerschwarmScript
  • Im Dampfbad greift nach mir ein Engel. Drei Romane der „Biographie der Bestürzung“, Berlin 2001, Aufbau Taschenbuch Verlag. (Enthält die Romane „Im Dampfbad greift nach mir ein Engel“ (1985), „David steigt aufs Riesenrad“ (1987) und „Ein letzter Dank den Leichtathleten“ (1989))

Andrea Bronstering - Gastautoren, Kunst und Kultur - 03. Dezember 2009 - 00:02
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