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Reden zur Gedenktafelenthüllung am 8. April (2)

Zur Einweihung der Gedenktafel in der Zillestraße in Charlottenburg am 8. April 2011

 
Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Thiemen,Herr Dr. Wörmann  vor dem Haus der Jugend Charlottenburg

liebe Frau Schwalm, liebe Frau Brüning,

liebe Zeitzeuginnen und Angehörige der Menschen, derer wir heute gedenken.

sehr geehrte Damen und Herren,

  
   

  
es ist mir eine Freude, heute an dieser Stelle einige Worte an Sie zu richten, denn wenn man vor gut 25 Jahren mit der Schriftenreihe der Gedenkstätte Deutscher Widerstand begann, über das andere Deutschland zu schreiben und nun Gedenktafeln an die Ereignisse von damals erinnern, erfüllt mich das mit großer Genugtuung.

Ein besonderer Dank gilt Herrn Dr. Roeder, durch dessen unermüdlichen Einsatz diese Gedenktafel hier an diesen Platz gekommen ist.

Vor einiger Zeit sagte ich ihm, dass bei Gedenktafeln und Stolpersteinen der Prozess der Entstehung im Dialog oder auch in der Auseinandersetzung oft wichtiger sei als ihre spätere Existenz.

Diese Gedenktafel aber hat die Chance, auch über den heutigen Tag hinaus eine Rolle im Gedächtnis der nächsten ja übernächsten Generation zu spielen.

Denn aus gutem Grund wurde hier in der alten Wallstraße und heutigen Zillestraße dieser Ort am Jugendzentrum gewählt.

Vielleicht werden heutige und zukünftige Jugendliche fragen, was denn mit diesen Leuten geschah, deren Namen auf dieser Tafel stehen. Hoffen wir es, denn eine Garantie ist das nicht.

Hier in der Zillestraße stellten sich viele junge Leute in der Nacht des 30. Januar 1933 der triumphierenden SA entgegen, die von der heutigen Otto-Suhr-Allee kommend in die damalige Wallstraße marschierten, um im Arbeiterbezirk von Charlottenburg die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler zu feiern.

 
In den Auseinandersetzungen jener Nacht wurde der SA Mann Maikowsky und der Polizist Zauritz unter nie geklärten Umständen erschossen. Die Rache der Nationalsozialisten war gnadenlos, 56 Männer wurde der Prozess gemacht. In einem zweiten Prozess gegen 15 Angeklagte sollte der Tod des SA-Mannes von Ahé vom 17. Februar 1933 aufgeklärt werden. Viele wurden zu teilweise hohen Haftstrafen, Richard Hüttig ohne Beweise zum Tode verurteilt und später in Plötzensee ermordet – Heinrich Mann nannte es den „ersten Justizmord des Regimes“.

Es ist gut, dass wir Angehörige der damals Verfolgten unter uns haben, denn solche Urteile trafen schließlich auch die Familien, nicht selten zerstörten sie sie. Verbrechen in der Geschichte wirken auch nach achtzig Jahren nach.

Darüber werden wir auch von Frau Schwalm etwas erfahren, deren Mann Jan Petersen die damaligen Ereignisse in seinem Roman „Unsere Straße“ beschrieb.

Jan Petersen gehörte wie Elfriede Brüning die unter uns ist zum „Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller“, die gegen den Nationalsozialismus schrieben.

Am 12. März 1933 wurde das genossenschaftliche Charlottenburger Volkshaus von der SA besetzt und enteignet. Die SA sperrte dort ihre Gegner ein und folterte sie, eine unbekannte Zahl von Inhaftierten wurde ermordet.

Elise Tilse erzählte mir in einem Interview, dass sie zum Ende der Weimarer Republik zur Jugendgruppe der Sozialistische Arbeiter Partei SAP zwischen SPD und KPD gehörte und nun in den Räumen verhört wurde, in denen sie sich vorher mit ihren Freunden getroffen hatte.

Das auch dort bald eine Gedenktafel auf der Höhe des Jugendverkehrsgartens in der heutigen Loschmidtstraße an das sozialdemokratische Charlottenburger Volkshaus erinnern soll, ist sehr zu begrüßen.

Der Sturm 33, der hier in Charlottenburg seine Macht demonstrierte, spielte einige Monate später am 21. Juni 1933 eine mörderische Rolle bei der sogenannten Köpenicker Blutwoche.

Dort wurden in jenen Tagen nach Sommerbeginn, einige Hundert Bürgerinnen und Bürger willkürlich verhaftet, misshandelt und etwas zwei Dutzend teilweise bestialisch ermordet.

Hier zog ein Grauen auf, das später Dimensionen annehmen sollte, die alle Vorstellungen sprengten. Der Nationalsozialismus war durch und durch zerstörerisch und führte Deutschland immer mehr in den Abgrund.

Dieser kritische Rückblick gehört heute zum politischen Selbstverständnis der Bundesrepublik Deutschland – zur „kulturellen Hegemonie“ hätte es der italienische Kommunist Antonio Gramsci genannt. Das war nicht immer so. 

Doch steter Tropfen höhlt den Stein des Vergessens und Verdrängens und wenn wir heute über die Aufarbeitung der Geschichte des Nationalsozialismus und die Darstellung des Widerstandes gegen dieses verbrecherische System sprechen, sollten wir die bescheidenen Anfänge nicht vergessen.

Heute verfügen wir über eine fest etablierte Gedenkkultur in der Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus in der Hauptstadt Berlin aber auch bundesweit, die in der Zeit als ich in dem Alter der jungen Leute hier war, schlicht undenkbar war, allenfalls als eine Vision.

Die Berliner Schriftenreihe über den Widerstand gegen den Nationalsozialismus, an der ich mitwirken durfte, ist ein Beispiel dafür. Wenn Sie mir bei der ersten, von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand herausgegebenen Broschüre von Hans-Rainer Sandvoß über den Widerstand im Arbeiterviertel Wedding im Jahre 1983 gesagt hätten, dass im Jahre 2003 der Widerstand in allen Berliner Bezirke beschrieben sein würde, ich hätte Sie für einen realitätsfremden Träumer gehalten

Aber das ist gelungen, selbst viele zweite Auflagen sind inzwischen erschienen.

Vor inzwischen mehr als ein Vierteljahrhundert war das Recherchieren viel schwieriger als heute, die Archivlage war eher dürftig, das Dokument-Center unter amerikanischer Verwaltung kaum zugänglich, die Zeitzeugen oft noch nicht gesprächsbereit – von der Öffnung der Archive in der DDR, wie dem IML, nach dem Fall der Mauer ganz zu schweigen.

Nach der Deutschen Einheit mussten wir alle bisherigen Bände zum deutschen Widerstand wegen der Zugänglichkeit der Archive in der DDR und wichtiger Archive in Osteuropa gründlich überarbeiten.

Beispielsweise wurden zwischen 1936-38 alle 23 KPD-Unterbezirksstrukturen in Berlin von der Gestapo zerschlagen, über 1200 Personen verhaftet und abgeurteilt, was vorher nirgends beschrieben worden war. In Charlottenburg waren es die Prozesse Staedele u.a.

Heute finden Sie alle Akten der DDR-Archive wie dem Institut für Marxismus Leninismus für jedermann zugänglich im Bundesarchiv.

War die Mehrheit meiner Eltern-und-Großeltern-Generation lange Jahre fasziniert vom Nationalsozialismus - 11 Millionen so genannte Parteigenossen der NSDAP sprechen Bände - gab es eben auch ein anderes Deutschland, das sich bereits zu Beginn des Terrorregimes von der Hilfe für Verfolgte bis zum politischen Umsturz unter immer schwierigeren und gefährlicheren Umständen im Verlauf der Diktatur zum Widerstand bekannte.

Dabei waren die Menschen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus zumeist ganz auf sich gestellt  Eine realistische Chance auf Erfolg zeichnete sich bei den Widerstandsaktivitäten nicht ab, sieht man vielleicht von der Verschwörung des 20. Juli 1944 ab.

Und dennoch!

„Dem ehernen Gesetz des Falles
Gehorcht auf Erden alles (Alles!)“

Physikalische Geschichtsbetrachtung nannte Erich Kästner, auch Charlottenburger Bürger, diesen Spruch und als Augenzeuge der Verbrennung seiner Bücher hätte er Deutschland mit gutem Grund verlassen können, aber er blieb, vielleicht geprägt von diesem Gedanken, der für alle diktatorischen Regime in Geschichte und Gegenwart gilt.

Seien wir froh, dass es dieses andere Deutschland des Widerstandes auf allen Ebenen gab, dass diese Menschen auf diesen „ehernen Fall“ hofften und darauf hin arbeiteten, aber ihn zumeist nicht erlebten, da sie der Mordmaschinerie des Nazi-Regimes zum Opfer fielen.

Aber mir ist auch bewusst, dass es die Anti-Hitler-Koalition der Alliierten brauchte, um das nationalsozialistische Regime schließlich nach jahrelangen erbitterten Ringen zu zerschlagen.

Im letzten Sommer war ich zur Air Show in Bournemouth eingeladen und meine englischen Partner fragten mich höflich, ob mir denn der „Battle of England Memorial Flight“ etwas ausmachen würde und ich antwortete ihnen zu Ihrer Verblüffung, ‚aber nein, ganz im Gegenteil, ich bin froh und glücklich, dass sie den Krieg gewonnen haben’.

Sie standen damals nun einmal auf der richtigen Seite – genauso wie der deutsche Widerstand.

Ich danke Ihnen.


April 2011
Dr. Heinrich.-W. Wörmann

Dr. Heinrich.-W. Wörmann - Gastautoren, Geschichte - 16. April 2011 - 00:20
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