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Abriß der Geschichte Koreas von 918 bis 1953

Schon zu einem früheren Zeitpunkt war ich hier aus gegebenem Anlaß knapp auf die Geschichte Koreas eingegangen. Hier folgt nun eine etwas ausführlichere Darstellung, die entstanden ist für eine Vortragsreihe der Internationalen Isang-Yun-Gesellschaft. Der Vortrag findet am Sonnabend, den 17. September um 17 Uhr im Yun-Haus in Kladow, Sakrower Kirchweg 47 statt.

 
Gemäß dem Tangun-Mythos, der koreanischen Gründungsüberlieferung, entstand Korea am 3. Oktober 2333 v.u.Z. Zwar ist dieser Tag Feiertag in beiden koreanischen Staaten, aber historisch besser belegbar als Zeitpunkt, zu dem Korea eine Nation wurde, ist das Jahr 936.  (In etwa zeitgleich fast am anderen Ende von Eurasien fing mit Heinrich I.  im Jahr 919 die eigenständige deutsche Geschichte an, und die Kaiserkrönung von Otto I. im Jahr 962 markierte den Beginn des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.)

  
Nach einer langen Periode der Auseinandersetzungen mit dem Liao-Reich im Norden hatte Koryo – so der damalige Name Koreas - 200 Jahre außenpolitischer Ruhe, die zu einer kulturellen Blüte führte. Besonders hervorzuheben ist, daß bereits im Jahr 1234, also über 200 Jahre vor Johannes Gutenberg, dort der Buchdruck mit beweglichen Lettern erfunden wurde.

  

Mongolenherrschaft (1260-1375)

Innenpolitisch jedoch war diese Zeit gekennzeichnet durch Umsturzversuche von Adligen und Aufständen der Landbevölkerung. Hinzu kamen seit 1231 immer häufigere Mongoleneinfällen der Nachfolger Dschingis Khans, unter denen die Bevölkerung in großem Maße litt. Erst 1260 war das Königshaus zu einem Friedensschluß bereit, der Koryo zu einem Vasallenstaat der Mongolen machte.
(Einem ähnlichen Schicksal entging Mitteleuropa – trotz der Niederlage in der Schlacht bei Liegnitz im Jahre 1241 - nur zufällig, weil sich die Mongolen wegen des Todes ihres Groß-Khans plötzlich zurückzogen.)
Mit der Unterwerfung unter die Mongolenherrschaft verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage Koryos außerordentlich, da das Land für die Feldzüge gegen Japan herangezogen wurde. Außerdem waren umfangreiche Tributleistungen an den mongolischen Kaiser zu erbringen. Gleichzeitig schritt die Konzentration von Land in den Händen der koreanischen Elite immer weiter voran.

Als die Mongolenherrschaft im 14. Jahrhundert in China, das auch deren Vasall war, Schwäche zu zeigen begann, nutzte Koryo diese Gelegenheit, um sich ebenfalls zu befreien. Es kam im Lande zu heftigen Kämpfen um die politische und wirtschaftliche Neuordnung. Als Sieger ging General Yi hervor, der eine umfassende Landreform durchsetzte, durch die die alten Eliten und die buddhistischen Klöster enteignet wurden und wieder sämtliches Land formell dem König gehörte. Yi ließ sich vom chinesischen Ming-Reich als erster König einer neuen Dynastie einsetzen und erkannte die Oberhoheit des Ming-Reiches an (1392). Das Ming-Reich verlieh dem Land den Namen Choson, Yi verlegte die Hauptstadt von Kaesong ins heutige Seoul.


Oberhoheit des Ming-Reiches (1392-1636)

Die Stelle der herrschenden politischen Klasse übernahmen jetzt die Yangban, wie die beiden Hierarchien der Zivil- und Militärbeamten genannt werden. Die Yangban erhielten als Entlohnung Land auf Lebenszeit, entsprechend ihrem Rang. Die Beamtenstellung war ebenfalls nicht mehr erblich, sondern konnte nur auf dem Weg über eine Ausbildung und Prüfungen erreicht werden. Die Yangban spielten im weiteren Verlauf der Yi-Dynastie eine bedeutende Rolle, wie noch zu zeigen ist.
 
Bis zum Machtantritt der Yi-Dynastie war der Buddhismus die vorherrschende Religion in Koryo gewesen. Er war jedoch wegen der weitverbreiteten Korruption in den Klöstern in Mißkredit geraten. Mit der Enteignung der buddhistischen Klöster ging einher der Aufstieg des Konfuzianismus als offizieller Staatsideologie. Der Konfuzianismus hat – im Gegensatz zum Buddhismus - nicht eine übernatürliche Welt als sein Thema, sondern bezieht sich auf das irdische Leben, dem er durch die fünf „Pflichtverhältnisse“ eine innere Ordnung gibt: Vier der Verhältnisse - nämlich zwischen Souverän und Untertan, zwischen Vater und Sohn, zwischen Mann und Frau und zwischen älterem und jüngerem Bruder - sind durch Unterordnung gekennzeichnet, wohingegen das fünfte, das zwischen Freund und Freund, eine Beziehung der Gleichberechtigung und Solidarität ist. Theoretisch begründet wird dieses hierarchische Weltbild durch die „naturgegebene Polarität von oben und unten“. Mit dieser Vorstellung von Gesellschaftsordnung ist eigentlich auch die Verpflichtung verbunden, sich um das Wohlergehen des Untergebenen zu kümmern, auch ökonomisch, um so die Loyalitätsbindung von unten nach oben zu stärken.

Die erste Phase der Yi-Dynastie dauerte gut 200 Jahre (bis um 1600). In dieser Zeit bestand ein staatlichen Monopol auf Grund und Boden. Da der Staat seinen Tribut nur in einer Höhe einforderte, die die bäuerliche Existenz nicht bedrohte, und einen Teil davon zwecks Einführung neuer Anbautechniken in die Landwirtschaft zurückfließen ließ, konnte sich der Lebensstandard der Bevölkerung im 15. Jahrhundert deutlich heben. Dies führte zu einer Blüte von Wissenschaften und Kultur, wobei besonders die Erfindung der koreanischen Buchstabenschrift zu nennen ist, da die chinesischen Schriftzeichen, die bisher verwendet wurden, für einsilbige Wörter stehen und daher für die koreanische Sprache, die aus mehrsilbigen Wörtern besteht, nicht wirklich geeignet sind.
Sie ist noch heutzutage in Nordkorea in Gebrauch, während die in Südkorea benutzte Schrift eine Mischung aus diesem Alphabet und chinesischen Schriftzeichen ist.   

Der Übergang zur zweiten Yi-Ära stand erneut ganz im Zeichen von Machtkämpfen, und zwar zwischen den verschiedenen Fraktionen der Yangban sowie gleichzeitig zwischen Yangban und König, außerdem außenpolitisch zwischen Choson und seinen Nachbarn in Südost (Japan) und Nord (Mandschu):
In Chosons hatten sich in der Yangban-Schicht soziale Netzwerke gebildet. Ausgangspunkt war der erbitterte Kampf um die höchsten staatlichen Ämter, deren Zahl geringer war als die Anzahl der Bewerber. Wo es aber einem einzelnen Yangban darum ging, seinen Reichtum und seine Macht in Auseinandersetzung mit dem König zu mehren, war Vorsicht geboten, denn Chosons Existenz war eng an seinen Status als Vasall des Ming-Reichs geknüpft. Infolgedessen befanden sich Zentralmacht und Gesamtheit der Yangban in einem labilen Gleichgewicht, das Entwicklung ausschloß, da jede Seite auf die Erhaltung ihrer Position bedacht war.

Der beginnende Niedergang Chosons wurde verschärft durch seine außenpolitische Lage. Da war zum einen der  jährlich an den Ming-Kaiser abzuliefernde Tribut, der im Laufe der Zeit zunehmend eine ernste Belastung für den koreanischen Staatshaushalt darstellte. Hinzu kamen Invasionen aus Japan: 1592
landeten japanische Truppen in Choson, dessen Regierung keinerlei militärische Vorbereitungen getroffen hatte. Drei Wochen später war die Hauptstadt Seoul unter der Kontrolle der Invasoren. Die koreanische Regierung war wieder einmal geflohen und rief das Ming-Reich zur Hilfe. Dessen Streitkräfte drängten die japanische Armee zurück und parierten auch einen zweiten japanischen Angriff. Die Folgen dieser sogenannten „Hideyoshi-Invasionen“ waren für Choson katastrophal: zahlreiche zerstörte Städte, verwüstete Dörfer, Felder, Kornspeicher und Bewässerungsanlagen, Tausende von entführten Künstlern und Handwerkern und eine demoralisierte Bevölkerung, dazu der Raub unzähliger Kulturgüter.
 
Auch das Ming-Reich war aus diesen Abwehrkämpfen geschwächt hervorgegangen. Das ermöglichte nun den Mandschu im Norden Koreas eine expansive Politik.
Zunächst griffen sie das Ming-Reich an. Dann erfolgte der erste Vorstoß nach Choson. Wieder floh der koreanische König, wieder lag die Hauptlast der Abwehr bei den lokalen Kräften. Es bedurfte noch eines zweiten Verwüstungszuges der Mandschu, bis Choson im Jahre 1636 den Mandschu seine Tributgefolgschaft erklärte.


Vasall der Mandschu (1636-1895)

Die japanischen und mandschurischen Invasionen hatten dauerhafte Auswirkungen auf die koreanische Geschichte, die zum Teil noch bis heute spürbar sind: Nach außen bedeutete die Unterwerfung unter die Mandschu für Choson eine langanhaltende Periode der Stabilität, die bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts andauerte. Wesentlich dazu beigetragen hatte die von Choson selbst verfolgte strikte Politik der Abschließung nach außen, die dem Land im 19. Jahrhundert bei den westlichen Invasoren die Bezeichnung „Einsiedlernation“ einbrachte. So war im 17. Jahrhundert den Koreanern bei Todesstrafe jeglicher Kontakt mit dem Ausland verboten; nur die jährlichen Tributgesandtschaften nach Peking waren davon ausgenommen sowie seltene Delegationen nach Japan. Der Grund für die Selbstisolierung war der Haß gegen die ausländischen Invasoren, die dem Land durch den Tod vieler Bewohner und Vernichtung von Lebensgrundlagen und Kulturerbe großen Schaden zugefügt hatten. Hinzu kam, daß man sich den als „Barbaren“ angesehenen Mandschu kulturell weit überlegen fühlte.
 
Unter den Bedingungen dieses fast vollständigen Abschlusses nach außen verschärften sich wieder einmal die Machtkämpfe innerhalb von Choson und trugen zusätzlich dazu bei, daß das Land etwa 250 Jahre wirtschaftlich und sozial stagnierte. Zwar konnte die Yi-Dynastie bis 1910 überleben. Jedoch gelang es den Yangban als ganzes, ihre gesellschaftliche Bedeutung weiter zu steigern. So geriet die Masse der Bauern in wachsendem Maße zwischen die Fronten der Tributforderungen der Zentralgewalt (Steuern) und des örtlichen Yangban (Pacht), was zu Überausbeutung führte.  Seit dem 17. Jahrhundert flossen keine Mittel wieder aufs Land zurück, um das Niveau der Landwirtschaft zu heben. Selbst die bloße Absicherung der landwirtschaftlichen Produktion, z.B. durch Reparatur von Dämmen oder deren Neubau, wurde vernachlässigt, obwohl dies sich eigentlich aus den konfuzianischen Pflichten gegenüber den Untergebenen ergibt; die Folge waren insbesondere im 19. Jahrhundert Überschwemmungskatastrophen.

Der Grund für die exzessive Ausbeutung der Bauern durch die Yangban war, daß deren sozialer Status es verlangte, daß sie und ihre Sippen einen luxuriösen Lebensstil pflegten. Auch der konfuzianische Ahnenkult verschlang viel Geld. Produktive Tätigkeit oder innovatives Wirken waren hingegen mit dem Yangban-Status absolut unvereinbar. Die Yangban waren somit eine parasitäre Klasse, die nicht nur nicht zur Entwicklung Chosons beitrug, sondern die Chosons Kollaps förderte,  indem sie die Bauern in ihrer Gier nach möglichst hoher Pacht auf ein Niveau hinabdrückte, das bei diesen jegliche Motivation zur Steigerung der Produktion erstickte und sie vielmehr zum gewaltsamen Widerstand herausforderte:

Gemäß der fünften konfuzianischen Pflicht, nämlich der zwischen Freunden, galt im Dorf das egalitäre Prinzip zwischen den Familien. Das bedeutete: Da der dörfliche Grund und Boden in dieser zweiten Phase der Yi-Dynastie in der Regel dem örtlichen Yangban gehörte, standen die Bauern des jeweiligen Dorfes ihm solidarisch und in kollektivwirtschaftlichem Handeln gegenüber. Dem Druck, der auf sie ausgeübt wurde, stellten sie ihr kooperatives Handeln entgegen, oder anders ausgedrückt: kollektives Handeln war für ihr Überleben notwendig und damit selbstverständlich. Dieser Sachverhalt ist von großer Bedeutung für den Widerstand in der Zeit der japanischen Besatzung und dann ab 1945.
Dem ausbeuterischen Zugriff der Obrigkeiten versuchte man sich meist durch Abkapselung nach außen zu entziehen, indem man in passiver Unterordnung verharrte. Jedoch war oft genug der Druck so groß, daß nur die Flucht in die lebensfeindlichen, aber unkontrollierbaren Berge des Nordens blieb oder der offene Widerstand: Plünderung staatlicher Kornspeicher und Raubzüge gegen Yangban-Güter.


Korea zwischen China, Japan und Rußland

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das bisher nur punktuelle Drängen der imperialistischen Staaten Richtung Ostasien stärker. Den ersten Erfolg hatten dabei die USA mit ihrer Kanonenbootpolitik, durch die sie 1854 Japan zwangen, sich zu öffnen: dies war der erste der sogenannten „ungleichen Verträge“. Kurz darauf, im zweiten Opiumkrieg, wurde China von Großbritannien zu weitreichenden Konzessionen gezwungen, wozu die die Freigabe des Außenhandels und der christlichen Missionstätigkeit gehörten, nicht zu vergessen der freie Handel mit Opium. 

Korea lag zunächst am Rande des Interesses, aber auch dorthin richteten sich verschiedene Vorstöße.
Am erfolgreichsten war dabei der unmittelbare Nachbar Japan. Aus japanischer Sicht war Korea von entscheidender Bedeutung für den eigenen imperialen Aufstieg, weil es als Sprungbrett nach China dienen konnte. Mithilfe eines inszenierten Zwischenfalls wurde Korea in typisch imperialistischer Manier ein ungleicher Vertrag aufgezwungen (1876). Das war gleichzeitig der erste Schritt zur wirtschaftlichen Durchdringung Koreas durch Japan, obwohl Korea zu dieser Zeit noch ein Vasall Chinas war.
Dies führte zu chinesischen Reaktionen und endete in einem Waffenstillstand zwischen den beiden Konkurrenten. Damit hatte China zunächst seine Stellung behauptet. Zur weiterer Absicherung schickte  man sogenannte „Berater für internationale Angelegenheiten“ ins Land, darunter den deutschen Sinologen Paul Georg von Moellendorf. Ganz im Widerspruch zu den Intentionen seiner chinesischen Auftraggeber hatte er jedoch eine größere Unabhängigkeit Koreas im Sinn.
Deshalb förderte er auch besonders die Handelsbeziehungen zu Rußland, um so den Einfluß von China und Japan einzudämmen. Tatsächlich hatte er jedoch damit den dritten ausländischen Hauptkonkurrenten um Einfluß in Korea überhaupt erst fest installiert.

Während die drei Nachbarstaaten ihren Streit um die Vormachtstellung in Korea austrugen und das Land zunehmend zu ihrem Spielball machten, hatte sich gleichzeitig die innenpolitische Lage weiter  zugespitzt: Hohe Steuerlasten, die weitgehende Besitzlosigkeit der Bauern und große Dürren hatten die Unzufriedenheit auf dem Lande gesteigert. Während sich Teile der Bauern aus den Nordprovinzen durch Flucht in die nahe liegende Mandschurei und sogar bis Sibirien dem elenden Leben in Korea entzogen, machte die Verelendung die Bauern der Südprovinzen empfänglich für die Ideen der Tonghak-Sekte (Tonghak = östliche Lehre).
Im Kern ging es um die Frage, wie Korea modernisiert werden könne, insbesondere, inwieweit westlichen Einflüssen (also westlicher Denk- und Lebensweise und dem Christentum) dabei Raum gegeben werden solle. Tonghak verurteilte die westliche Vorstellung, daß man eine humane Gesellschaft auf technisch-wissenschaftlicher Grundlage errichten könne, ebenso wie er die buddhistische und konfuzianische Tradition für unfähig hielt, Korea zu modernisieren: Dafür seien nämlich Freiheit, Gleichheit und Selbstverantwortlichkeit notwendig, die buddhistische Tradition jedoch propagiere den Rückzug in die Innerlichkeit und die konfuzianische Tradition eine hierarchische Gesellschaft. Es komme daher darauf an, im wechselseitigen Bezug von ostasiatischer und westlicher Weltanschauung einen eigenen koreanischen Weg zu finden.
Schließlich entlud sich die Empörung über das korrupte koreanische Machtgefüge und den Einfluß Japans 1894 im Tonghak-Aufstand. Der König rief chinesische Truppen zur Hilfe, Japan sah dadurch seine Position in Korea bedroht und schickte ebenfalls Militär, es kam zum Krieg zwischen den beiden Konkurrenten mit vollständigem Sieg Japans. Im nachfolgenden Friedensvertrag wurde die chinesische Vorherrschaft über Korea beendet und die japanische begründet. Der koreanische Widerstand gegen Japan endete also mit der Stärkung des japanischen Einflusses, und gleichzeitig schied China als Konkurrent aus. Aber noch gab es eine starke Rußland-orientierte Fraktion. Allerdings fühlte sich Japan zu diesem Zeitpunkt einem Krieg mit Rußland noch nicht gewachsen.

Bis 1904 hatte sich das geändert: Japan hatte zu diesem Zweck Armee und Flotte verdoppelt und war 1902 eine Allianz mit Großbritannien eingegangen, die sich vor allem gegen Rußland richtete, denn Rußland war ebenfalls für Großbritannien ein Konkurrent, und zwar in Persien und Afghanistan. (Hier und im folgenden zeigt sich immer wieder, wie die imperialistischen Staaten Bündnisse miteinander eingehen oder sich gegenseitig bekämpfen – je nach augenblicklichem Kräfteverhältnis und immer mit dem Ziel, die eigene Machtposition zu sichern und zu vergrößern.)
Japan war in diesem Krieg erfolgreich, Rußland mußte Japans Vorherrschaft in Korea anerkennen. Japan besetzte bei dieser Gelegenheit gleich auch noch Seoul und zwang die koreanische Regierung zur Unterzeichnung eines Protektoratsvertrages. Dieser Schritt fand die ausdrückliche Unterstützung der USA und Großbritanniens, die ihrerseits selbst darauf aus waren, ihre Annexionen und Interessensgebiete in Südostasien (USA: Philippinen, Großbritannien: China) vom Konkurrenten Japan anerkannt zu bekommen.


Korea als Kolonie Japans (1905-1945)

So war es Japan gelungen, seine Konkurrenten China und Rußland in Korea auszuschalten. Gleichzeitig hatte Korea schon wirtschaftliche Bedeutung für Japan gewonnen, und zwar einerseits als Lieferant von Reis und Sojabohnen und andererseits als Abnehmer japanischer Textilwaren – ganz im Sinn einer klassischen Kolonie: Rohstofflieferant und Fertigwarenimporteur.

Die Jahre zwischen 1905 und 1910 nutzte Japan, um Korea für den Kolonialstatus zu präparieren. Die Reaktion hierauf war in Korea sehr zwiespältig. Sie reichte vom bewaffneten Widerstand bis zum Empfang der Japaner mit offenen Armen. Der Grund für letzteres war bei den einen Opportunismus, für andere jedoch war Japan das modernste und erfolgreichste Land Südostasiens, von dem ein so rückständiges  Land wie Korea nur profitieren konnte.
Um das zu verstehen, sei hier angedeutet, was Korea zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom nach westlichem Vorbild modernisierten Japan unterschied: Korea war eine Ständestaat mit deutlich unterschiedener Stellung von Yangban einerseits und gemeinem Volk andererseits; außerdem gab es noch den Sklavenstatus. Die Zugehörigkeit zu einem der führenden Clans war die Voraussetzung für eine Position in Regierung und Beamtenapparat. Es gab keine Parteien oder sonstige politische Organisationen, kein Parlament und folglich keine Wahlen. Die Eintreibung der Steuern war den Yangban übertragen, was der Unterschlagung und dem Betrug Tor und Tür öffnete. Der Handel mußte ohne einheitliche Währung, Maße und Gewichte sowie ohne Banken auskommen. Es gab keine Straßen, nur Wege in unglaublich miserablem Zustand. Es gab keine Eisenbahn. Das Land verfügte nur ansatzweise über ein Postwesen. Es fehlte an sozialen Einrichtungen aller Art wie allgemeinbildende Schulen (es bestand auch kein allgemeines Recht auf Bildung), Krankenhäuser usw.

Als der letzte koreanische König 1910 die Souveränitätsrechte an Japan abtrat, endeten nicht nur über 500 Jahre Yi-Dynastie, sondern es endete nach über 40 Jahren des Widerstand sogar die Existenz Koreas als eines selbständigen und geeinten Landes - ein Zustand, der heute im Jahr 2011 schon mehr als 100 Jahre andauert. Besonders schmerzlich war für viele Koreaner, daß das Land ausgerechnet an Japan fiel, dessen Invasionen gut 300 Jahre zuvor bereits verheerende Folgen für das Land gehabt hatten.

Die japanische Regierung ging von Anfang an systematisch daran, Korea ihren Bedürfnissen zu unterwerfen: Die Bevölkerung wurde mit polizeistaatlichen Mitteln - wozu das Verbot von freier Presse, Versammlungen und politischen Organisationen gehörte - bei Androhung von Prügelstrafe und Gefängnishaft von einer militärisch ausgerüsteten Polizei diszipliniert. Die Reisproduktion wurde erheblich gesteigert, aber die vergrößerte Ernte ging in solchem Umfang nach Japan, daß der Pro-Kopf-Verbrauch in Korea um die Hälfte sank. Dies führte zu Hungersnöten. Am Ende des ersten Jahrzehnts direkter japanischer Herrschaft war Japan der größte Landbesitzer und hatte Bergbau und Industrie fast vollständig in der Hand.
Es gab also genug Grund für die koreanische Bevölkerung, sich weiterhin zur Wehr zu setzen. Ein Weg war die erneute Fluchtbewegung von Bauern in die Mandschurei. Andere Koreaner bildeten antijapanische Geheimorganisationen, wozu sie ermutigt wurden vom Erfolg der russischen Oktoberrevolution im Jahre 1917 .und der 14-Punkte-Erklärung des US-Präsidenten W. Wilson vom 8.1.1918, in der er das Selbstbestimmungsrecht der Völker propagierte. Am 1. März 1919 kam es – im  Anschluß an die Beerdigung des letzten koreanischen Königs – zu einer gewaltfreien Kundgebung mit 100.000 Beteiligten, der bis Mitte Mai über 1500 Demonstrationen in allen Provinzen folgten, an denen insgesamt über zwei Millionen Menschen aus so gut wie allen Bevölkerungsschichten teilnahmen. Sie forderten die Unabhängigkeit ihres Landes. Die japanische Besatzungsmacht tötete 7.000 Teilnehmer, verwundete 15.000 und inhaftierte 46.000.

Die brutale Niederschlagung der Unabhängigkeitsbewegung hatte weltweit so viel Protest ausgelöst, daß Japan eine Reihe von Beschränkungen ein Stück zurücknehmen mußte. Dies wurde von einer Vielzahl neuentstehender Zeitungen, Zeitschriften und kultureller Vereinigungen genutzt, die so zur Aufrechterhaltung des koreanischen Nationalbewußtseins und Widerstandswillens beitrugen. Es bildeten sich auch politische Gruppierungen. Die bürgerliche Richtung sah die Herausbildung einer starken Mittelschicht als das entscheidende Mittel zur Wiedererlangung der Unabhängigkeit, was der Masse der um ihr tägliches Überleben kämpfenden Koreaner allerdings kein gangbarer Weg schien. Um so mehr Zulauf hatten die linken Organisationen. Außerdem entstanden zwischen 1920 und 1925 im Ausland drei koreanische kommunistische Parteien (dabei trat Kim Il Sung erstmals politisch in Erscheinung). Zwar gelang es der japanischen Kolonialverwaltung, den breit organisierten öffentlichen Widerstand in Korea wieder in den Griff zu bekommen, aber es blieb der geheime Widerstand im Untergrund.
 
Korea war bis zum Ende der 1920er Jahren, wie schon gesagt, eine typische Kolonie gewesen. Eine bedeutende Änderung in der Rolle Koreas fand jedoch um 1930 statt, als die japanische Expansionspolitik voll einsetzte. Eine wesentliche Vorbedingung für Japans imperiales Streben war nämlich die Schaffung von Autarkie in allen kriegswichtigen Bereichen. Da Japan selbst arm an Rohstoffen ist, war es auf die Gewinnung, Absicherung und Verwertung von entsprechenden Lagerstätten im Ausland angewiesen. Besonders fehlte es an Steinkohle, Eisenerz und Rohöl sowie Leicht- und Buntmetallen und Phosphat für Dünger und Sprengstoff; außerdem bestand großer Bedarf an Reis, Wolle und Baumwolle. Neben der Mandschurei und Nordchina war Korea reich an verschiedenen dieser Rohstoffen. Insbesondere verfügte es darüber hinaus über eine Vielzahl von Mineralien, die besonders kriegswichtig waren für die Herstellung von Edelstählen.
Um diese koreanischen Rohstoffe im Sinne der japanischen Kriegsziele nutzen zu können, begann Japan jetzt, in Korea auch zu investieren, und zwar vor allem in die Schwerindustrie des Nordens, das heißt in den Bau hochmoderner Bergwerke und in die Weiterverarbeitung eines Teils dieser Rohstoffe vor Ort zu Zwischenprodukten. Weitere Investitionen erfolgten in die chemische Industrie. Investitionen gingen auch in die Leichtindustrie des Südens, um landwirtschaftliche Produkte zu Lebensmitteln oder Textilien zu verarbeiten. Um Korea außerdem zum Bindeglied zwischen Japan und den Rohstoffen Mandschukuos zu machen, wurden ebenfalls in bedeutendem Umfang Häfen und Eisenbahnlinien (in Nord-Süd-Ausrichtung) gebaut.

Die Ausrichtung Koreas auf die Kriegsbedürfnisse Japans hatte weitreichende Auswirkungen für die Koreaner. Zunächst einmal wurde der Polizeiapparat ausgebaut und ein totales Verbot für koreanische Zeitungen und Organisationen verhängt. Nach Beginn des Krieges gegen China ging man daran, die koreanische Kultur zu beseitigen, u.a. durch den täglichen Treueeid auf den Tenno in Schule und Fabrik, dann die Japonisierung der Namen, schließlich das Verbot der Benutzung der koreanischen Sprache in Schule und Öffentlichkeit, das nach Kriegseintritt der USA (1941) auch auf den Privatbereich ausgedehnt wurde. Nach außen hin war Anpassung im Alltag überlebensnotwendig, jedoch entwickelten die meisten Koreaner unter diesen Bedingungen eine stark ausgeprägte nationale Grundeinstellung und sogar Haß gegen Japan.
Dieser Haß wurde weiterhin dadurch geschürt, daß besonders seit Beginn des Pazifikkrieges aufgrund des Arbeitskräftemangels in Japan Zehntausende von Koreanern zum Militärdienst, zur Arbeit in den Bergwerken und in japanischen Rüstungsbetrieben und zur Prostitution gezwungen wurden. (Es darf dabei nicht vergessen werden, daß die Expansionspolitik der japanischen Regierung auch für den Größtteil der eigenen Bevölkerung viel Elend bedeutete.)
Die Kolonialzeit hatte auch erhebliche Auswirkung auf das koreanische Sozialgefüge. Es entstand eine nennenswerte Arbeiterklasse in den Bereichen Bergbau, Industrie, Bau und Transport. Das führte zum Auseinanderreißen von Familien, noch gefördert durch die Zwangsarbeit in Japan, und untergrub die durch den Konfuzianismus geprägte Familienhierarchie, die neben den Pflichten ja auch Sicherheit bedeutete, denn es gab keinerlei staatliche soziale Absicherung. Außerdem war das Lohnniveau niedrig: Männer erhielten die Hälfte, Frauen ein Viertel der japanischen Löhne. Zwar wurde das Schulwesen ausgebaut, jedoch kam es vor allem den in Korea lebenden Japanern zugute; für Koreaner war nur eine Minimalausbildung vorgesehen (genauso wie es die Nationalsozialisten in den eroberten Ostgebieten hielten).

Auf dem Lande war die Macht der Yangban gebrochen, auch wenn sie noch weiterhin existierten. Mit der Einführung der Geldwirtschaft auf dem Lande verschuldeten sich die Bauern zunehmend (für Steuern und Dünger). Des weiteren wurde die kollektivwirtschaftliche Tradition auf dem Lande geschwächt, und es wurde versucht, die dörfliche Selbstverwaltung zu beseitigen und sie durch ein hierarchisches Verwaltungssystem zu ersetzen. Hiergegen leisteten die Bauern Widerstand durch Verweigerung der Pachtleistung, Erntestreiks, Zerstörung von japanischen Einrichtungen und die Gründung von Bauernassoziationen. Kurz gesagt: die Bauern lehnten die zwangsweise von den Japanern eingeführte kapitalistische Produktionsweise auf dem Lande ab. Der Kapitalismus war so auch für die Zeit nach 1945 in Korea in Mißkredit geraten.


Korea seit 1945

Als Japan bedingungslos kapitulierte, war die bisherige Kolonie Korea hinter Japan das höchstindustrialisierte Land Asiens. Diese Industrialisierung hatte jedoch allein nach den strategischen bzw. kommerziellen Interessen der Kolonialmacht stattgefunden: Während der Norden zum Zentrum des Bergbaus, der Schwerindustrie und der chemischen Industrie sowie der Energieerzeugung geworden war, konzentrierte sich die landwirtschaftliche Produktion, die Nahrungsmittel- und Textilindustrie ganz auf den Süden. Diese Standortverteilung war in erster Linie durch natürliche Faktoren bedingt (Lagerorte, Wasserkraft, Bodenverhältnisse, Klima); sie erwies sich erst bei der Teilung des Landes als verhängnisvoll. Problematisch waren auch Grad und Umfang der Industrialisierung, da es nie die Absicht Japans gewesen war, eine ausgewogene Entwicklung von Landwirtschaft, Konsumgüter- und Produktionsmittelindustrie für den koreanischen Binnenmarkt zu schaffen. Der Bau von Straßen, Eisenbahnlinien, Häfen und einem Telefonnetz stellte sich jedoch uneingeschränkt als ein wirtschaftlicher Aktivposten heraus. Es war auch eine minimale Schicht von koreanischen Ingenieuren, Technikern, Wissenschaftlern und Facharbeitern entstanden.
Folgendes Fazit läßt sich für den Moment des Kriegsendes ziehen: Die Auswirkungen der 40 Jahre japanischer Herrschaft auf Korea waren sehr ambivalent, aber es bestand mit dem Moment der Kapitulation quer durch alle politischen Strömungen die Erwartung, jetzt endlich wieder Herr seiner selbst in einem freien Korea sein zu können.

Die unterschiedlichen politischen und ideologischen Richtungen, von sozialistisch bis konservativ, wetteiferten um die Gestaltung der Zukunft Koreas.
Zunächst einmal war vom japanischen Generalgouverneur die Interimsverwaltung auf einen linksorientierten Nichtkommunisten übertragen worden, denn die Vertreter des bürgerlichen Lagers waren in der Regel durch die Zusammenarbeit mit der japanischen Kolonialverwaltung kompromittiert. Er richtete in kürzester Zeit das Komitee zur Vorbereitung der Gründung des Staates Choson ein, eine Art Regierung, die sich schon zwei Wochen nach der japanischen Kapitulation auf Volkskomitees in landesweit 145 Städten stützen konnte, die aus den linken Untergrundorganisationen hervorgegangen waren. Schon am 6. September 1945 wurde in Seoul die Volksrepublik Choson  ausgerufen, mit einer Koalitionsregierung aus linken und rechten Kräften, unter Führung der weitaus stärkeren Linken. Als Präsident war Syngman Rhee vorgesehen, der zum Zeitpunkt des Kriegsendes in den USA lebte. Die neue Regierung gab einen Aktionsplan bekannt, dessen wichtigste Punkte waren: umfassende Landreform, Verstaatlichung der Großindustrie, soziale Arbeitsgesetzgebung und Ausschluß aller Kollaborateure von einflußreichen Positionen.

Jedoch hatten die Siegermächte USA und Sowjetunion andere Pläne mit Korea. Roosevelt beabsichtigte, das in der Atlantikcharta zusammen mit Churchill postulierte „Selbstbestimmungsrechts für alle Völker“ nämlich in der Weise umzusetzen, daß Korea zunächst einmal unter Treuhandschaft gestellt würde, um das Land dann nach einer gewissen Zeit der Vorbereitung in die Unabhängigkeit zu entlassen. (Die Parallele zu Wilsons Programm 1918 fällt auf: von Selbstbestimmung reden, und das Gegenteil tun.) 1943 einigten sich die beiden Staaten zusammen mit China (vertreten durch Tschiang Kai-schek) in diesem Sinn. In Jalta (Februar 1945) betätigten Roosevelt, Churchill und Stalin diese Linie. So war den Interessen sowohl der USA als auch der SU (als Nachfolger Rußlands) gedient: Die USA würden erstmals Einfluß in Korea erhalten – sozusagen als Nachfolger von Japan, dem man 1905 noch den Vortritt hatte lassen müssen; die SU wiederum forderte - als Gegenleistung für ihren Kriegseintritt gegen Japan - die Wiederherstellung der Position von vor 1905, als Rußland noch nicht von Japan aus dem Feld geschlagen worden war; und selbst China versuchte wieder Fuß zu fassen.

Zunächst gaben die USA der SU freie Hand beim Einmarsch in Korea, da man noch weit entfernt im Südpazifik stand; gleich nach den beiden Atombombenabwürfen schlugen die USA jedoch eine Teilung Koreas längs des 38. Breitengrades vor, um so zu verhindern, daß die SU das ganze Land in ihr Einflußgebiet verwandeln würde. Das einzige Kriterium für die Auswahl genau dieser Linie war, daß die USA sie für gerade noch akzeptabel für die SU hielten – koreanische Interessen standen nie zur Diskussion. Tatsächlich machten die sowjetischen Truppen nur 40 km Luftlinie von der Hauptstadt Seoul entfernt halt, obwohl sie das ganze Land hätten besetzen können, denn Stalin hoffte, auf diese Weise gute Beziehungen zum neuen US-Präsidenten Truman aufbauen und sich so ein Mitspracherecht in Japan sichern zu können. Eine Kommission der beiden Besatzungsmächte sollte eine provisorische koreanische Regierung errichten – obwohl die Koreaner selbst schon im September eine eingesetzt hatten. Die Reaktion in ganz Korea war Empörung über diesen erneuten Raub der Unabhängigkeit.

War die Besetzung Koreas als solche schon allein von den weltpolitischen Interessen der beiden Siegermächte bestimmt, so galt das erst recht für die folgende Besatzungspolitik: Die SU behielt die Volkskomitees bei und durchsetzte sie mit ihr genehmen Leuten, darunter Kim Il Sung. Außerdem ließ die SU den Aktionsplan vom September 1945 durchführen,  jedoch ergänzt durch die Entfernung auch von bürgerlich gesinnten Koreanern aus leitenden Positionen.
Die USA billigten die ideologische Ausrichtung der Volkskomitees überhaupt nicht und lösten sie folglich auf. Stattdessen errichteten sie eine Militärregierung und beließen einen Großteil des belasteten koreanischen Personals aus der Kolonialzeit in Verwaltung und Polizei (auch hier die  deutliche Parallele zur Besatzungspolitik in Deutschland). Der Aktionsplan wurde nicht ausgeführt, namentlich nicht die Landreform, da man sich politisch auf die Klasse der Landbesitzer und Unternehmer stützte. Immer wieder stattfindende Demonstrationen von Bürgern, die gegen die zunehmende politische Spaltung zwischen Nord und Süd demonstrierten, wurden gewaltsam beendet, besonders blutig die sogenannte „Hunger-Rebellion“ von Taegu im Herbst und Winter 1946. Den Abschluß der politischen Säuberungen bildete die von der US-Militärregierung und Syngman Rhee verantwortete Beseitigung der aus den Volkskomitees hervorgegangenen linksorientierten Verwaltung auf der Insel Chejudo  im März 1948, bei der mindestens 27.000 Koreaner von südkoreanischen Sicherheitskräften getötet und drei Viertel der Inseldörfer zerstört wurden.

Nach dieser politischen  Umgestaltung des Südens, durch die das ursprüngliche Kräfteverhältnis von Linken und Rechten auf den Kopf gestellt worden war, und mit der Tatsache im Rücken, daß in der US-amerikanischen Besatzungszone doppelt so viele Menschen lebten wie in der sowjetischen, setzten die USA in der UNO - die im September 1947 von ihr dominiert wurde - einen Beschluß durch, wonach nunmehr gemeinsame Wahlen in ganz Korea durchgeführt werden sollten. Dabei konnten die USA nur gewinnen: im Falle der Durchführung, aufgrund des zahlenmäßigen Übergewichts, politisch; im Falle der Ablehnung, wegen des Vorwurfs des „undemokratischen Verhaltens der SU“, propagandistisch.
Nach getrennten Wahlen in den beiden Besatzungszonen wurde dann im August 1948 im Süden die Republik Korea gegründet, mit Syngman Rhee als Präsidenten, und im September 1948 im Norden die Demokratischen Volksrepublik Choson, mit Kim Il Sung an der Spitze. Die Parallele zu Deutschland fällt erneut auf.
So gelang es den beiden Besatzungsmächten in wenigen Jahren, durch die Verschärfung der Differenzen zwischen koreanischen Linken und Rechten und deren Konzentration auf jeweils eine Seite, eine Situation zu schaffen, in der es nicht nur ein von außen beherrschtes Korea gab, wie schon oft zuvor, sondern sogar zwei, die in unversöhnlichem Haß aufeinander gegeneinander in Stellung gebracht worden waren. Dieser gegenseitige Haß speiste sich nicht nur aus den gegensätzlichen politischen Anschauungen, sondern gewann seine volle Kraft erst aus der Vorstellung, die Koreaner auf der jeweils anderen Seite seien es, die einem einigen, unabhängigen Korea im Wege stünden, und wenn sie erst einmal vernichtet seien, könne Korea endlich wieder es selbst sein: Nach über  700 Jahren von Einmischung in Korea feierte die politische Maxime des „Teile und herrsche“ einen wahren Triumph.
 
Jede der beiden Seiten hatte guten Grund, sich in ihrer Existenz bedroht zu fühlen: der Süden wegen der nordkoreanischen Armee, die zahlen- und ausbildungsmäßig der des Südens weit überlegen war; der Norden wegen der antikommunistischen Propaganda des Südens und der Drohgebärden von US-General McArthur. Es ereigneten sich zunehmend Scharmützel am 38. Breitengrad, viele davon von Südkorea provoziert. Jede Seite erwartete einen militärischen Angriff der Gegenseite. Den Anfang machte dann Nordkorea am 25.5.1950. Drei Jahre später, beim Waffenstillstand am 27.7.1953 in P’anmunjon - nach politischen Massakern, Vergeltungsaktionen, Kriegsverbrechen beider Seiten und der UN-Truppen und nach einem beispiellosen Luftkrieg, der beinahe den erneuten Einsatz von Atombomben eingeschlossen hätte - ließ sich folgendes Fazit ziehen: Dreieinhalb Millionen Koreaner, eine Million chinesische und 70.000 US-Soldaten waren tot, die Hälfte der Industrie und ein Drittel der Wohnungen im Süden und beides zu 100% im Norden zerbombt (ein US-Luftwaffengeneral stellte 1953 fest: "There are no more targets."). Statt eines endlich seine Unabhängigkeit genießenden Koreas herrschte dort acht Jahre nach Ende der Kolonialzeit unendliches menschliches Elend und waren die Lebensgrundlagen weitgehend vernichtet, und es standen sich zwei zuttiefst miteinander verfeindete  Staaten gegenüber, die aus militärischen und wirtschaflichen Gründen in der Abhängigkeit ihrer jeweiligen „Verbündeten“ waren - wobei „Verbündete“ ein sehr euphemistischer Begriff ist, denn auch wenn USA und SU dies ursprünglich nicht beabsichtigt haben mögen, so waren es doch sie, die durch ihre Einmischung in die inneren Angelegenheiten Koreas die Verantwortung dafür tragen.


Fazit

Seit  den Mongoleneinfällen im 13. Jahrhundert ist Korea ständig außenpolitisch unter Kontrolle von Nachbarn: zunächst der Mongolen, dann der Ming, später der Mandschu, schließlich Japans. Mit der Besetzung des Landes durch SU und USA im Jahr 1945 hatte sich dieser Zustand der Abhängigkeit noch insofern verschärft, als Korea nun gespalten und zum Gegenstand der Auseinandersetzung zwischen den beiden Hauptsiegermächten um die Vorherrschaft in der Welt wurde und auf diese Weise jeder der beiden Teile Koreas zum Todfeind des anderen Teils.
Auch im Innern hatte die jahrhundertlange Kontrolle durch seine Nachbarn einen außerordentlich negativen Einfluß auf Koreas Entwicklung, insbesondere seit das Land seit etwa 1600 zur „Einsiedlernation“ wurde: Die Abschottung verhinderte den Zufluß neuer Ideen, und die herrschenden Schichten verzettelten die gesellschaftlichen Ressourcen in Machtkämpfen; die Folge war eine jahrhundertelange soziale und wirtschaftliche Stagnation des Landes, eine tiefe Spaltung der Gesellschaft und eine weitreichende Verelendung des größten Teils der Bevölkerung.
Aber immer wieder gab es Widerstand gegen die äußeren und inneren Feinde.
 



Dieser Abriß stützt sich insbesondere auf die folgenden beiden lesenswerten Darstellungen der koreanischen Geschichte:
Eggert, Marion/Jörg Plassen, Kleine Geschichte Koreas, München (Beck) 2005 (Signatur: G 630 Egge)
Maull, Hanns W./Ivo M. Maull, Im Brennpunkt: Korea, München (Beck) 2004 (Signatur: G 630 Maul)


MichaelR

Michael R. - Gastautoren, Geschichte - 28. August 2011 - 18:38
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zwei Kommentare

Nr. 1, MR, 12.04.2014 - 20:21
"Eine kunstdiplomatische Premiere, geradezu eine Sensation", nennt es die Berliner Zeitung vom 12.4.14: "Maler aus Süd- und Nordkorea stellen jetzt erstmals hierzulande gemeinsam aus" in der Galerie Son, "einer Plattform für Künstler aus einem brutal geteilten Land im Kalten Krieg": Galerie Son, Mauerstraße 80, Di – Sa 11 -18 Uhr (Tel. 53 79 97 03)
Nr. 2, Niels, 18.03.2015 - 13:56
Hallo, ich würde gerne den Autor des ganzen Artikels wissen.

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