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Porträts im Vergleich

Helmut-Newton-Stiftung zeigt Sommerausstellung

 
 
Angesichts der neuen Ausstellung in der Helmut-Newton-Stiftung wird sich mancher Besucher die Frage stellen, wer denn schließlich der bedeutendere Fotograf ist: June Newton oder ihr Gatte Helmut Newton? Der Dritte im Bunde dieser dreiteiligen Ausstellung Mart Engelen hat sich an keinem anderen Bild der Ausstellung so sehr festgesehen wie an der Aufnahme von Alice Springs, die Helmut Newton mit seinem Freund Richard Avedon 1976 in einem Pariser Lokal zeigt. „Dieses Bild schildert eine wahre Männerfreundschaft“ resümierte er begeistert. Mit den abgebildeten beiden Männern und dem Kamerablick June Newtons begegnen dem Besucher mit diesem Bild gleich drei geniale Fotografen.

 

Der Kurator Dr. Matthias Harder und der Fotograf Mart Engelen in der Ausstellung der Helmut-Newton-Stiftung / Foto © Frank Wecker

Kurator Dr. Matthias Harder und der Fotograf Mart Engelen stellen die Fotos von Alice Springs vor.
Foto: Wecker

 
Es ist nach „Us and them“ – der Eröffnungsausstellung der Helmut-Newton-Stiftung – eine der umfangreichsten Ausstellungen, die das Werk von Alice Springs zeigen. June Newton begann erst im Alter von 47 Jahren zu fotografieren. Zuvor war sie in Melbourne eine erfolgreiche Schauspielerin, später wurde sie an der Seite ihres Mannes begehrtes Fotomodel. 1970 mußte sie ihren erkrankten Mann bei einem Fotoshooting vertreten, um den Werbeauftrag für die Zigarettenmarke „Gitanes“ zu sichern. Als die Honorarabrechnung adressiert an Helmut Newton kam, war sie auch von diesem Talent überzeugt. Fortan fotografiert sie unter dem Künstlernamen Alice Springs. Als Fotografin ist sie zumindest kongenial, aber als Model ihrem Mann haushoch überlegen. Auch davon kann man sich in dieser Ausstellung überzeugen, den beide agieren als sowohl Fotografen als auch als Models. Im Gegensatz zu Helmut Newton werden von Alice Springs neben Auftragsarbeiten auch Freundschaftsbilder gezeigt, die nochmals die hohe Porträtkunst von Alice Springs unterstreichen.

Von speziellem Interesse ist eine Serie von Straßenaufnahmen, die Alice Springs in den 80er Jahren in der Melrose Avenue in Los Angeles fotografierte. Sie inszenierte Punks und Hip-Hoper, die wegen ihrer schrillen Piercings und Frisuren den Blick des Betrachters anziehen. Bei genauerem Hinsehen wirken diese Jugendlichen im Gegensatz zu ihrem provokativen Auftritt schüchterner als eine Schulklasse junger Mädchen, die trotz ihrer Einheitskleidung der Fotografin frech und stolz gegenübertreten.

 
Helmut Newton begegnet dem Besucher zudem in einer eigenen Abteilung als Autor von Bildern für die Boulevardpresse und für den Playboy. Seine Bildsprache wurde hier so revolutionär, daß seine Fotos teilweise für den Playboy zu schockierend waren. Diese Ausstellung wurde von Helmut Newton noch kurz vor seinem Tod zusammengestellt und 2002 erstmals präsentiert. Damals steckte die Digitalfotografie noch in den Kinderschuhen und von der Massenhatz mit dem Handy auf Promis war noch nichts zu ahnen. Helmut Newton sprach jedoch schon vom Ende der Fotografie und begann mit neuen Techniken zu experimentieren, wovon dieser Ausstellungsteil Zeugnis ablegt.

 

Der Fotograf Mart Engelen vor einem Foto von Alice Springs in der Helmut-Newton-Stiftung / Foto © Frank Wecker

Der Fotograf Mart Engelen ist von Alice Springs Bild:
Helmut Newton with Richard Avedon. Paris 1976 begeistert.
Foto: Wecker

 
Getreu dem Vermächtnis Helmut Newtons, daß in seiner Stiftung stets auch zeitgenössische Fotografen präsentiert werden sollen, wurde diesmal der Porträtfotograf Mart Engelen aus Holland eingeladen. Er stellt zum ersten Mal in Berlin aus. Mart Engelen mag keine Farbe in der Fotografie. Seine Inspiration bezieht er vom Film noir. 2005 hörte er auf, Aufträge von Zeitschriften wie „Esquire“ oder „Vanity Fair“ anzunehmen und fotografiert seither nur noch aus eigenem Interesse und für die eigenen Publikationen. Seit 2009 veröffentlicht er seine Fotos in dem eigenen großformatigen Fotomagazin „#59“. Somit genießt er den Luxus, nur Personen zu porträtieren, auf die er neugierig ist und die er entdecken möchte. Dazu gehören eine ganze Reihe herausragender Persönlichkeiten wie Michel Houellebecq, John Schnabel und John Waters.

 
Die Helmut-Newton-Stiftung in der Jebensstraße 2 ist dienstags, mittwochs und freitags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags von 10 bis 20 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.
Der Eintritt beträgt 10 Euro. Weitere Informationen gibt es im Internet unter: www.helmut-newton.de/ausstellungen.

 
FW

 

FW - Gastautoren, Kunst und Kultur - 03. Juni 2016 - 00:24
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