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Ein neuer Zille und ein entdeckter Knauf

Pay Matthis Karstens wird wieder fündig

 
Gleich zwei Entdeckungen bietet der von Pay Matthis Karstens herausgegebene Band „Der unbekannte Zille“: Zum einen wird die bislang von der Forschung weitgehend ignorierte sozialkritische Komponente in Zilles Schaffen beleuchtet, die wiederum, das ist die zweite Entdeckung, nicht Pay Matthis Karstens herausgearbeitet hat, sondern der völlig in Vergessenheit geratene Schriftsteller Erich Knauf. Der schrieb Anfang der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts jenen biografischen Roman „Der unbekannte Zille“, dem nunmehr mit gut 80 Jahren Verspätung Pay Matthis Karstens den Weg in die Öffentlichkeit gebahnt hat.

 
Der erst 26 Jahre alte Charlottenburger Kunsthistoriker hatte sich jedoch bereits vor dieser Entdeckung in die Annalen der Wissenschaft eingeschrieben. Er arbeitet für die Berlinische Galerie und das Deutsche Historische Museum; er ist Gründer des Jungen Freundeskreises der Liebermann-Villa und ist mit Publikationen sowie Ausstellungen zur deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts hervorgetreten. Er hat sich mit Arbeiten zu den Fotografien und der Rezeptionsgeschichte Heinrich Zilles Verdienste erworben. Wissenschaftliches Neuland betrat er erstmals mit seiner Publikation „Verboten und verfälscht. Heinrich Zille im Nationalsozialismus“. Akribisch hat er als erster herausgearbeitet, wie die Nazis „Pinselheinrich“ für ihre Zwecke zu vereinnahmen suchten, indem sie aus Zille „einen antisemitischen Vorarbeiter des Nationalsozialismus“ machen wollten. Dem Heimatmuseum des Bezirkes war dies vor zwei Jahren die Sonderausstellung „Zensur und Willkür. Das Werk Heinrich Zilles im Nationalsozialismus“ wert.

 

Heinrich Zille - Alte Frau mit Kiepen - Reisigsammlerin (um 1902) / © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Reproduktion Oliver Ziebe, Berlin

Heinrich Zille: Alte Frau mit Kiepen – Reisigsammlerin, um 1902, Bleistift, mit Feder laviert auf Papier,
25 x 17 cm, Inv.-Nr. GR 07/26 HZ, © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Reproduktion: Oliver Ziebe, Berlin.
 

 
Nunmehr stellt er den Lesern Zille als einen Künstler vor, der die im Kaiserreich gesetzten Grenzen der Kunst durchbricht und das soziale Elend nicht als empörte Attitüde eines betroffenen Bürgers herausstellt, sondern es in Konfrontation zu den gesellschaftlichen Verhältnissen als bewußten kunstrevolutionären Akt setzt. Heinrich Zille erregte bereits bei seiner ersten Ausstellung, der Berliner Sezession 1901, Aufsehen. Schnell hatten Zilles Zeichnungen Wellen geschlagen, so daß viele Besucher der Ausstellung eigens wegen Zilles Arbeiten kamen. Neider versuchten schon bald, mit der Verunglimpfung seines Schaffens als „Gossenkunst“ und „Lithographenarbeiten“ seinen Erfolg herunterzuspielen. Gemocht wurde er bis dahin vor allem als ulkiger Kauz, dessen Geschichten aus dem Milieu man gern bei einem Glas Bier lauschte. Wenn, wie bei Zille, der Humor mit der Anklage gegen die gesellschaftlichen Zustände verbunden wird, hören der Spaß und die Gemütlichkeit jedoch auf. Neu waren bei Zille auch die Wahrheiten hinter seinen unverblümten erotischen Zeichnungen. „Ein Werk nicht nur aus der erhitzten Phantasie eines erotisch geladenen Künstlers, sondern mehr noch ein Protest gegen eine Gesellschaftsordnung, die täglich Verbrechen begeht, die sie an den Opfern sühnt“, das war etwas ganz Neues und Unerhörtes in der Kunst, schreibt Erich Knauf. Von unschätzbarem Wert ist überdies die Auseinandersetzung des Autors mit der „Käuflichkeit“ Zilles, der sich später als Berühmtheit willig vermarkten und damit von jener Gesellschaft vereinnahmen ließ, die er in seinen Zeichnungen anprangerte.

Heinrich Zille - Junge am Vogelbauer – Zweites Quergebäude, Hof im Keller (um 1924) / © Stiftung Stadtmuseum Berlin

Heinrich Zille: Junge am Vogelbauer – Zweites Quergebäude, Hof im Keller, um 1924, Feder in Schwarz,
grau laviert auf Papier, 14 x 12,5 cm, Inv.-Nr. GR 07/50 HZ, © Stiftung Stadtmuseum Berlin.

 
 
Der Weg des Manuskriptes von Erich Knauf, auch dies wird in dem Buch ausführlich dargestellt, ist eine abenteuerliche Geschichte für sich. Erich Knauf ist heute nur noch ein bestenfalls Literaturhistorikern bekannter Autor. 1930 trat er unter anderem mit dem Roman „Ca ira“ hervor, worin er seine Erlebnisse als Stoßtruppführer im Kampf gegen die Putschisten von Lüttwitz, Ludendorff und Kapp reflektiert. Wenig später wird er Geschäftsführer der Büchergilde Gutenberg, Theater, Kunst- und Literaturkritiker. Zu Beginn der Naziära beginnt er die Arbeit an der Zillemonographie. Schon während der Arbeit wird ihm klar, daß er sie kaum herausbringen wird, denn er verlor wegen seiner bekannten antifaschistischen Gesinnung allen Einfluss und seine Ämter. 1934 wurde er monatelang in den Konzentrationslagern Oranienburg und Lichtenburg gequält. Schließlich wurde er in Folge einer Denunziation 1944 in Plötzensee hingerichtet. Seither vergilbte sein Nachlaß in der Tempelhofer Wohnung seiner Witwe.

Darauf stieß eher zufällig der Schriftsteller Wolfgang Eckert. Dem half dann der mit Knauf befreundete Schriftsteller Erich Kästner weiter auf die Sprünge, der ihm auch den Kontakt zur Witwe Erich Knaufs vermittelte. Sie überließ ihm schließlich den Nachlaß des vergessenen Autors. Wolfgang Eckert bereitete für den Aufbau Verlag eine Monographie über Erich Knauf vor. Darüber ging aber die DDR unter und der renommierte Aufbau-Verlag segelte unter neuem Kurs, um nicht mit in die Tiefe gerissen zu werden. Das Manuskript ging als Ballast über Bord. Erich Knauf konnte aber auch unter den Nazis das eine oder andere publizieren. Neben dem frohen Kanon aus der Feuerzangenbowle „Der Frühling liebt das Flötenspiel“ war es auch das von ihm getextete „Heimat, deine Sterne …“, das die Nazis in „Hitlerjunge Quex“ vereinnahmt hatten. Solch populärer Titel ließ sich auch in dem neuen Wind, der nunmehr durch das ehemalige Karl–Marx–Stadt wehte, vermarkten. So konnte Wolfgang Eckert schließlich einen Chemnitzer Verlag für den wiederentdeckten Erich Knauf begeistern.

Auf der Suche nach neuen Chansontexten entdeckte ein Tenor der Komischen Oper diese Biographie in einem Antiquariat. Der Tenor wurde nicht nur für sein Chansonprogramm fündig, sondern war von dem Buch so beeindruckt, daß er einem Redakteur der Kunstzeitschrift Sinn und Form von dem Gelesenen und dem verwahrlosten Zillemanuskript berichtete. Jener Redakteur wiederum kannte Pay Matthis Karstens….

 
 
Knauf, Erich: Der unbekannte Zille. Mit erläuternden Texten von Wolfgang Eckert und Pay Matthis Karsten. Hrsg. Pay Matthis Karstens. 200 S. Vergangenheitsverlag Berlin 2015. ISBN-10: 3864081882. 18,90 Euro.

 
Frank Wecker

Heinrich Zille - Mittag (1900) / © Stiftung Stadtmuseum Berlin

Heinrich Zille: Mittag, 1900, farbige Pastellkreiden auf Papier, 22,2 x 22,3 cm,
Inv.-Nr. GHZ 73/120,1, © Stiftung Stadtmuseum Berlin.
 

FW - Gastautoren, Kunst und Kultur - 28. Oktober 2015 - 00:24
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