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Neubau des Abwasserpumpwerks in der Sophie-Charlotten-Straße



Am Dienstag machten Jörg Simon, Vorstandsvorsitzender der Berliner Wasserbetriebe, und Umweltstaatsekretär Stefan Tidow den ersten symbolischen Spatenstich zum Neubau des Abwasserpumpwerks. Auf dem Gelände wurde derweil bereits mit schwerem Gerät gearbeitet.

 

Jörg Simon, Vorstandsvorsitzender der Berliner Wasserbetriebe, und Umweltstaatsekretär Stefan Tidow starten den Neubau des Abwasserpumpwerks Charlottenburg.

Jörg Simon, Vorstandsvorsitzender der Berliner Wasserbetriebe, und Umweltstaatsekretär
Stefan Tidow beim ersten Spatenstich zum Neubau des Abwasserpumpwerks.

 
Die Berliner Wasserbetriebe haben vis á vis des seit 1890 an der Sophie-Charlotten-Straße 114 betriebenen Pumpwerks ein Grundstück auf dem Gebiet des früheren Güterbahnhofs Charlottenburg erworben (wir hatten berichtet).

 „Der Neubau ist nicht nur technisch notwendig, er ist umweltpolitisch sinnvoll und erspart Investitionen an anderer Stelle“, so Jörg Simon, Vorstandsvorsitzender der Wasserbetriebe. „Ziel der Berliner Wasserwirtschaft ist es, die innerstädtischen Gewässer zu entlasten“, erklärte Umweltstaatsekretär Stefan Tidow. „Es soll weniger durch Nähr- und Schadstoffeinträge verunreinigtes Regenwasser in die Flüsse und Seen gelangen. Diesem Ziel dient der Regenwasserspeicher, der gemeinsam mit dem neuen Abwasserpumpwerk entstehen wird.“ Die Lösung heißt Abkoppelung des Teilgebietes Westend vom neuen Pumpwerk. Damit und mit dem neuen Regenbecken kann künftig in den Kanälen selbst und im Becken immens mehr Abwasser aufgestaut und die Spree vor Überläufen bewahrt werden. Das gesamte Abwasser-Einzugsgebiet des Altwerks wird in der Präsentation auf einer Karte dargestellt (1).

Mit dem Neubau des Abwasserhauptpumpwerks Charlottenburg werden bald alle 163 Berliner Pumpwerke automatisch aus einer Zentrale überwacht und gesteuert. Außerdem bekommt das neue Werk einen 7.000 Kubikmeter großen „Abwasser-Parkplatz“, um bei Starkregen Überläufe in die Spree zu vermeiden. Dabei wird der bereits vorhandene, 2,40 Meter mächtige Abwasserkanal um 210 Meter verlängert, damit auch dieser künftig als Stauraumkanal genutzt werden kann.

An und in der Sophie-Charlotten-Straße wird auf engem Raum und tief gebaut. Der Neubau des zweitgrößten Berliner Abwasserpumpwerks, dessen Einzugsgebiet mit fast 110.000 Einwohnern im Prinzip eine Großstadt für sich bildet, ist in doppelter Weise eine technische Herausforderung. So liegt der Saugeraum des Werks, in dem das Schmutz- und Regenwasser aus der Kanalisation zusammenfließt, 14 Meter unter Gelände und damit tief im Grundwasser, dessen Spiegel die benachbarte Spree markiert. Damit der Übergang vom alten auf das neue Werk reibungslos klappt, müssen zahlreiche Leitungen von Trinkwasser bis Gas um- und neu verlegt werden. Um komplett sicher zu gehen, gibt es bei solchen Bauten auch eine Zeit lang Parallelbetrieb von Neu- und Altwerk. Dafür müssen in die ohnehin dicht mit Leitungen jeder Art belegte Sophie-Charlotten-Straße auch beide Werke unterirdisch mit den Kanälen im Zulauf und zu den Klärwerken im Abstrom verbunden werden. Das betrifft hier Kanäle und Rohre mit Durchmessern zwischen einem und 2,40 Meter. Es wird also auf engstem Raum tief gebaut. Die Arbeiten dauern insgesamt bis 2021.

 
Anläßlich des ersten Spatenstichs zum Neubau an der Sophie-Charlotten-Str. 4a hatten die Berliner Wasserbetriebe auch zur Besichtigung des Altwerks in der Sophie-Charlotten-Straße 114 eingeladen.

Relief am Pumpwerk in der Sophie-Charlotten-Straße 114

„Schieber“ vor dem Pumpwerk in der Sophie-Charlotten-Straße 114

 

Maschinenhalle im Pumpwerk Sophie-Charlotten-Straße 114 (mit elektrisch betriebenen Pumpen) 

Maschinenhalle im Pumpwerk Sophie-Charlotten-Straße 114 (dieser Dieselmotor dient als Notreserve und springt nur bei Stromausfall an)


Herr Stephan Natz, Pressesprecher der Berliner Wasserbetriebe, lieferte uns freundlicherweise noch einige Informationen zur Technik nach.
Wie das alte Pumpwerk wird auch das neue Werk sechs Pumpen - zwei Nachtmaschinen und vier Tages - bzw. Spitzenmaschinen - bekommen, die aber nicht gleichzeitig betrieben werden. Die Nachtmaschinen schaffen jeweils bis zu 200 Liter pro Sekunde, die Tagesmaschinen doppelt so viel. Ohne Regen, also bei trockenem Wetter, wird von einer Tagesfördermenge von 22.000 Kubikmetern Schmutzwasser ausgegangen.

Das neue Werk gleicht in seiner Leistung in etwa dem alten Werk. Allerdings wird mit dem Schwenk von Alt zu Neu das Einzugsgebiet rund ein Fünftel kleiner gemacht, so wird also bei starkem Regen an Potenzial gewonnen.
 


Weitere Informationen:
* Berliner Wasserbetriebe
(1)  Präsentation zur Anwohnerinformationsveranstaltung vom 13. März 2018 (als PDF)

* Kiezer Weblog:
- Neubau des Abwasserpumpwerks und Verkehrseinschränkungen in der Sophie-Charlotten-Straße

* Berliner Wasserbetriebe
- Pressemitteilung vom 22.05.2018:
>>Die Berliner Wasserbetriebe und ihre 4.336 Mitarbeiter liefern jährlich aus neun Wasserwerken rund 205 Millionen Kubikmeter bestes Trinkwasser und reinigen in ihren sechs Klärwerken ca. 262 Millionen Kubikmeter Abwasser. Dazwischen liegen fast 19.000 Kilometer lange Rohr- und Kanalnetze. Damit ist das Unternehmen Deutschlands Branchenprimus, der auf mehr als 160 Jahre Tradition zurückblickt.<<


- Kiez, Technik - 23. Mai 2018 - 00:24
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