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Alt sein ist für später

Ein Megathema unserer Zeit ist das Alter, genauer das Altwerden. Sperrige Begriffe aus dem Arsenal der Soziologie wie „Demographischer Faktor“, „Fertilitätsrate“ und „Bevölkerungspyramide“ sind in aller Munde. Werbeagenturen umschmeicheln die reife kaufkräftige Kundschaft und vermeiden es dabei tunlichst, diese als „alt“ zu titulieren. Stattdessen ist verschleiernd von der „Silver Generation“ oder von den „Best Consumers“ die Rede. Das Paradox des kollektiven Älterwerdens bei individuellem Nicht-Altsein-Wollen bestimmt den öffentlichen Diskurs. Die Essayistin Silvia Bovenschen, die seit 2001 kieznah am Lietzensee lebt, hat in ihrem Buch „Älter werden“ sehr persönlich beschrieben, wie sie den unausweichlichen Prozess des Anhäufens der Jahre erlebt. Das Buch, in erster Auflage 2006 veröffentlicht und lange in den Bestsellerlisten notiert, ist jüngst als Taschenbuch erschienen.

 
Silvia Bovenschen, geboren 1946, hat über 20 Jahre an der Universität Frankfurt am Main Literaturwissenschaft gelehrt. Ihr Buch „Die imaginierte Weiblichkeit“ von 1979, eine Untersuchung über die Bedingungen des Schreibens von Frauen im 18. und 19. Jahrhundert, ist noch immer einer der Basistexte des wissenschaftlichen Feminismus in Deutschland. Die dichterischen Ambitionen der Autorin, bei der in der Jugend eine Multiple Sklerose diagnostiziert wurde, finden einen Niederschlag im aktuellen Buch „Verschwunden“, einer Sammlung von Kurzgeschichten. Bovenschen, die schon länger krankheitsbedingt im Rollstuhl sitzt, reklamiert neben ihren Jahren noch eine weitere Qualifikation, um über das Älterwerden zu reflektieren: „Wegen meiner gesundheitlichen Einschränkungen machte ich zeitversetzt früh schon Erfahrungen, die meistenfalls erst das Alter prägen.“ Erfahrungen, die niemand freiwillig macht.

Das Alter schildert sie als „zunehmende Zukunftslosigkeit“, als einen Zustand des Verlusts – an Elastizität, an Attraktivität, an Leistungsfähigkeit, an Bedeutung, an Sichtbarkeit. Alte Körper wirken auf sie „wie ein ästhetisches und ontologisches Unglück.“ Es ist vermutlich diese Ehrlichkeit, die ihren Notizen so viele LeserInnen beschert hat. Klar differenziert sie: „Frauen sind mit sechzig älter als Männer mit sechzig.“ Ganz so, als ob Männer reiften, Frauen dagegen welkten. So feiert Martin Walser, selbst auch schon 81 Jahre alt, in seinem neuen Roman „Ein liebender Mann“ hymnisch den greisen Goethe, der der nicht einmal 20 Jahre alten Ulrike von Levetzow ungeniert den Hof macht. Bovenschen kommentiert den emanzipierten „Runzelsex“ elegisch: „Ja, ja, das sehe ich auch so, ich möchte nur nicht dabei sein, Ich bin für diese Liberalisierung, aber ich bin ihr nicht mehr gewachsen.“

Je mehr Menschen immer älter werden und je weniger Kinder geboren werden, desto heftiger wird die Jugend glorifiziert. Ökonomisch betrachtet, keine Überraschung, steigen doch Wert und Preis eines Gutes mit seiner Verknappung. So wird es allzu verständlich, dass, wie Marcel Proust sinniert, die Realität des Alters so lange im Leben eine abstrakte Vorstellung bleibt. Und plötzlich ist man es. Bovenschen macht ihre verstrichene Zeit am Konsum von Tierfilmen und vom Verschwinden vertrauter Wörter wie Mannequin, Schlager, chic und Avancen fest. Freimütig bekennt sie, dass auch sie, wäre sie gesund und wohlhabend, die verjüngenden Dienste der plastischen Chirurgie in Anspruch nähe. Ihre Bilanz des Alterns der Gesellschaft ist schneidend: „Das Alter wird sich zukünftig nicht rechnen. Wir, die Alten, sind purer Verlust.“ Ob die politische Diskussion zur Erhöhung des Kindergelds die Reproduktion spürbar ansteigen lässt, wird sich frühestens eine Generation später erweisen. Bis dahin bleibt zumindest Charlottenburg ein grau-bunter Bezirk: inmitten relativ vieler alter Menschen dürfen sich die mittelalten ungestraft noch jung fühlen.

Andrea Bronstering - Gastautoren, Gesellschaft, Kiez - 11. Mai 2008 - 00:09
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