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Wie soll es mit den Bezirksbibliotheken weitergehen? - Teil 17: „Smart Bücherei“ in der „Smart City“



Dies ist die Fortsetzung von Teil 16: „Neuer Besen“.

Wird man in Zukunft noch Bibliotheksgebäude brauchen? Bibliotheksangestellte? Das erscheint zweifelhaft, wenn man auf den Handzettel schaut, der in den öffentlichen Bibliotheken ausliegt. Er heißt „DIE DIGITALEN ANGEBOTE DES VÖBB“ und verheißt eine „umfassende Auswahl an digitalen Angeboten, die Sie rund um die Uhr bequem von zuhause oder unterwegs auf Ihrem Smartphone, E-Reader, Tablet oder PC nutzen können“. Nie wieder in die Bücherei gehen müssen!
Andererseits aber: Wer nicht mehr in die Bücherei geht, verpaßt die neuesten elektronischen Errungenschaften dort: die „Informationsmonitore“ und die „Gaming-Zonen“ (1) – erstere sonst nur noch in Lichtenberg und Mitte (2), letztere überhaupt nur in Charlottenburg-Wilmersdorf.
Tatsächlich ist aber beides kein Widerspruch, sondern weist auf etwas hin, das immer mehr im Kommen ist: die Umwandlung der Bücherei in eine Erlebnis-, Begegnungs-, Dienstleistungs- und Eventstätte. Das Mekka der Freunde dieses neues Typs von „Bibliothek“ ist „Dokk1“ in der Hafenstadt von Aarhus/Dänemark. Bücher und überhaupt Lesen spielen dort unter einer Vielzahl von Angeboten nur noch eine geringe Rolle (3).


Die Ideologie von der „Grundversorgungsbücherei“

So weit ist man in Charlottenburg-Wilmersdorf und den anderen Bezirken noch lange nicht. Aber als erster Schritt dorthin wird seit Jahren daran gearbeitet, erst einmal den physischen Bestand der Büchereien – und das sind vor allem Bücher – zu dezimieren (4). Die zur Formel geronnene Standarderklärung dafür ist: „Die öffentlichen Bibliotheken haben die Aufgabe der Grundversorgung der Bevölkerung mit aktueller Information und Literatur.“ (5) Um diesen Zustand zu erreichen, bereinigt man die Bibliothek erst einmal von allen Büchern, die älter als 5 Jahre sind oder in den letzten 2 Jahren nicht öfter als 2mal ausgeliehen wurden. Die „Grundversorgung“ selbst beschaffen dann fast ausschließlich auswärtige Dienstleister (vor allem die ekz), und sie besteht in erster Linie aus Ratgebern (6) und Unterhaltungsliteratur, darunter insbesondere Bestseller. Insgesamt orientiert sich diese Art Bücherei am „Nachfrageaspekt“ (7) – genauer: sie orientiert sich eigentlich nur an der größtmöglichen zu erwartenden Nachfrage.

Das muß vor der Erfindung der „Grundversorgungsbücherei“ anders gewesen sein, denn sonst hätte man ja nicht so viele Bücher, die man jetzt wegwerfen kann. Offenbar kamen die Stadtbüchereien einst einem Bildungsauftrag nach, der u.a. beinhaltete, – neben Ratgebern und Unterhaltungsliteratur – auch Anschaffungen und somit Angebote zu machen, die den alltäglichen Rahmen sprengen und verschiedene kulturelle Felder über den Alltag hinaus abdecken (8). Warum hat sich das geändert, und wie entstand die Ideologie der „Grundversorgungsbücherei“ fürs Volk? Zwei Dinge kamen da zusammen:

  • zum einen die unsägliche „Arm-aber sexy“-Sparpolitik des Senat zulasten der Bürger;
  • zum anderen – als deren Nährboden – die unsere ganze Gesellschaft immer mehr bestimmende neoliberale Vorstellung, daß sich jedes und alles „rechnen“ muß.

Das neoliberale Mittel zur Durchsetzung der Sparpolitik ist die Kosten-Leistungs-Rechnung (KLR (9)), die mithilfe der „Besucher- und Entleihzahlen“ die Bezirke dazu zwingt, ihre Stadtbüchereien „im Sinne des wirtschaftlichen Handelns“ zu betreiben, da sie „sich über die Kosten- und Leistungsrechnung finanzieren müssen“ (siehe 5). Kein Wunder – wenn man der Kultur die Betriebswirtschaft überstülpt –, daß dann „die Frage der Verknüpfung der Kostenrechnung mit Qualitätsindikatoren weitgehend ungelöst“ ist (10).
Mehr noch: Diese Politik, die Bibliotheken auf das Niveau der „Grundversorgung“ herunter zu zwingen, stellt eine intellektuelle Mißachtung ihrer Nutzer da – und ist außerdem für die sogar richtig teuer: Seit dem 1. August 2017 kostet nunmehr jede einzelne Ausleihe aus einer anderen Bibliothek (auch innerhalb des Bezirks) 3 € ; und aus Gründen der „Vereinheitlichung“ kostet seitdem selbst der Transport zwischen den beiden Häusern der ZLB je Medium 2 € (11).
 

Die „Smart Bücherei“ als Teil der „Smart City“

Was aber, wenn das KLR-Maß aller Budgetzuweisungen des Senats an die Bezirke – nämlich die Besucher- und Entleihzahlen – dennoch abnehmen (in Charlottenburg-Wilmersdorf die ersteren permanent seit 2001, die letzteren seit 2013)? Genaugenommen ist das eigentlich überhaupt nicht so schlimm, denn die Trendsetter im Lande setzen – siehe Beispiel Aarhus – sowieso nicht mehr aufs Buch als zentralen Bestandteil einer Bibliothek, weshalb in dem im Juli 2016 vorgestellten Senats-Strategiepapier „Attraktive Bibliotheken für die Metropole Berlin“ das Wort „Buch“ überhaupt nicht mehr vorkommt. In dieser „Vision von einer modernen Bibliothek“ ist die Stadtbücherei zu wesentlich Höherem berufen: Sie soll nämlich „Teil der Vision für Berlin 2030 … in der Entwicklung zur Smart City, dem international florierenden Wirtschafts- und Wissensstandort und der impulsgebenden, kreativen und integrativen Hauptstadt“ werden. Wikipedia beschreibt die „hochentwickelte Smart City“ so: „Die gesamte städtische Umgebung ist dabei mit Sensoren versehen, die sämtliche erfassten Daten in der Cloud verfügbar machen. So entsteht eine permanente Interaktion zwischen Stadtbewohnern und der sie umgebenden Technologie. Die Stadtbewohner werden so Teil der technischen Infrastruktur einer Stadt.
So sehr das nach technologischem Schwadronieren über die Zukunft klingt – es wird tatsächlich von „Experten“ darüber nachgedacht und in Form von Strategiepapieren und praktischen Schritten daran gearbeitet, die Bürger zu gläsernen Menschen, zu Ausstülpungen einer sie digital überwachenden Verwaltung zu machen. Der Nutznießer dieser Umwandlung der Menschen in Dinge wird auch gleich an erster Stelle mitgenannt: die „international florierende Wirtschaft“. (12)

Bei der Schaffung dieser „Smart City“ (13), so meinen die Vordenker des Senats, „führt an der strategischen Planung eines vorbildlichen Systems Öffentlicher Bibliotheken kein Weg vorbei“. Wenn alles klappt, ist bis 2030 aus der Stadtbücherei, so wie wir sie heute kennen, etwas ganz Neues geworden: „Begegnungsort und öffentliches Wohn- und Arbeitszimmer“, „Forum politischer Partizipation für die Kiez- und Metropolgesellschaft“, „'Placemaker' und Garant für die Attraktivität der Stadt“, „Ort der Freizeitgestaltung“ und vor allem „Ort des Willkommens“ und noch vieles mehr (Senats-Strategiepapier von Juli 2016). „Dokk1“ in Aarhus läßt erahnen, was damit auf die Bibliothek zukommt: eine Art Servicestation, um Personalausweise zu verlängern, über Zahnhygiene zu informieren, Kindergartenplätze zu vergeben, Baugenehmigungen zu erteilen, „Repair Cafés", „Maker Spaces" mit 3D-Druckern anzubieten usw. – vieles davon heutzutage Aufgaben der Bürgerämter und anderer Abteilungen der Verwaltung, in Zukunft dann, nach einem riesigen Rationalisierungsschritt, in der „Smart Bücherei" zusammengefaßt.

Es sollte keiner meinen, das sei doch alles Fantasie, denn es gibt sie doch, die (nur wenig bekannten) Senatspläne für die „Smart City“ in 13 Jahren und die Rolle der Stadtbüchereien darin, es gibt Vorreiter in Dänemark und anderswo, und es gibt hier vor Ort in jeder unserer Stadtbüchereien seit Jahren bereits kleine Schritte in diese Richtung: Reduzierung des Bestandes, Senkung des Niveaus auf „Grundversorgung“, Freizeitgestaltung in „Gaming-Zonen“ … – und besonders wichtig: die allseitige ideologische Bearbeitung der Köpfe der Bibliotheksmitarbeiter dahingehend, was eine „moderne Bibliothek“ zu sein hat.
Was geht mit dieser Art „Bibliothek“ verloren? Verloren geht das, was man „Informationsbibliothek" nennen könnte: ein Ort, der den Bürgern Informations-, Wissens- und Bildungsangebote fachlicher und literarischer Art macht, und zwar in Form eines entsprechenden Medienbestandes sowie durch Veranstaltungen zu kommunalen, politischen und literarischen Themen (siehe Literaturhaus), auch zu Medienkompetenz.

Und was sagen die Bürger und Bibliotheksnutzer dazu?

Es ist aus repräsentativen Umfragen der letzten Jahre bekannt, daß die Bevölkerung insgesamt und die Bibliotheksnutzer insbesondere sich in erster Linie Bibliotheken wünschen, die „ein umfangreiches Angebot an Büchern, E-Books, Zeitschriften, Musik, Filmen usw. haben“ (bundesweite Befragung des Instituts Allensbach von November 2015). Auch Kinder nutzen gern gedruckte Medien (Kinder-Medien-Studie 2017), ebenfalls Jugendliche (Nielsen-Studie 2014). Und wie sieht das speziell im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf aus? Fünfmal habe ich 2014 und 2015 beim Bezirksamt nachgefragt, wie es denn wäre, die Nutzer bei Bibliotheksangelegenheiten mit zu beteiligen, z.B. in der Form einer Bibliothekswerkstatt. Die fünf Antworten des Bezirksamtes reichten von „Das Bezirksamt hat dies bisher noch nicht getan und beabsichtigt dies auch nicht.“ (Februar 2014, 9. Frage) bis „... dramatischer Personalnotstand... Leitungsfunktion nur kommissarisch … Erst danach können wir uns wieder mit dem Thema Bibliothekswerkstatt auf Bezirksebene befassen.“ (Juni 2015, 6. Frage) Bis auf den heutigen Tag hat das Bezirksamt das nicht getan, hat es keine Einbindung der Öffentlichkeit gegeben, während der Umbau der von den Bürgern am meisten genutzten kulturellen Einrichtung über deren Köpfe hinweg weiterging; kurz gesagt: den Bürgern und Nutzern wurde von den Politikern bisher jedwede Beteiligung verweigert. Aber das Strategiepapier des Senats von Juli 2016 gaukelt Bürgern und Bibliotheksnutzern lächerlicherweise (14) vor, wenn die „Smart Bücherei“ kommt, dann wäre ihnen ein „Forum politischer Partizipation für die Kiez- und Metropolgesellschaft“ geschaffen. Dieses Forum ist schon jetzt nötig, bevor unsere Büchereien weiter neoliberalisiert werden.

MichaelR für den Arbeitskreis Berliner Stadtbibliotheken


(1) Mehr dazu in „Neuer Besen

(2) Ergebnis einer Telefonumfrage im August 2017

(3) Zu „Dokk1“ siehe „Und wo sind hier die Bücher?“ (FAZ, 3.10.2015) und „Bibliotheken im Umbruch“ (FR, 9.7.2017).

(4) In Charlottenburg-Wilmersdorf (in Tausend):

 
 2001  2011  2016
Medien (physisch) insgesamt   412  286  257  [= 62% von 2001]
davon: (a) Print (Bücher, Zeitschriften, …)  362  232  194  [= 53% von 2001]
[Anteil von Print an Medien insgesamt
 88%   81%  76%]
(b) Non-Books (DVDs, CDs, Hörbücher)    -     47   54

(Nicht erklärlich ist, warum in dieser Statistik (Deutsche Bibliotheksstatistik) nicht Print + Non-Books = Medien insgesamt ergibt.)

(5) Eine andere beliebte Formel lautet: Die Stadtbücherei ist eine „moderne Gebrauchs- und Verbrauchsbibliothek“. (Januar 2014, 9. Einwohnerfrage)

(6)Der hohe Anteil Ratgeberliteratur ist … gewollt.“ (September 2012, 4. Einwohnerfrage)

(7) Oktober 2012, 9. Einwohnerfrage

(8) Als Beispiel dafür die Abteilung Kunst in der Wilmersdorfer Hauptbücherei. Der Bestand wurde von 3158 Bänden im Jahr 2004 auf 1453 im August 2017 reduziert (= 46%). Grund: mangelnde „Effizienz“, das heißt in der Sprache der „Grundversorgung“: zu geringe Ausleihe (siehe Tabelle in der 12. Einwohnerfrage von April 2015). Da genügt es zum Wegwerfen, wenn ein Kunstband nur Abbildungen in schwarz-weiß hat; sein Inhalt spielt keine Rolle.

(9) Die KLR wurde Ende der 90er Jahre im Land Berlin von der SPD eingeführt. Ihr Zweck ist, jeden Handschlag der Verwaltung gegenüber den Bürgern zu einem „Produkt“ mit einem Preis zu machen. Die landesweiten Durchschnittskosten je „Verwaltungsprodukt“ dienen dem Senat als Maßstab dafür, wieviel Geld den Bezirken zugewiesen wird. Die Folge: jeder Bezirk trachtet danach, mit den „Kosten“ seiner „Produkte“ unter den Durchschnitt zu kommen, weil die am Durchschnitt orientierte Zuweisung ja dann höher ist als die tatsächlichen Kosten im Bezirk (wobei das nicht heißt, daß die Zuweisung vom Bezirk dann auch tatsächlich für den betreffenden Bereich verwendet wird). Wenn aber jeder den anderen zu unterbieten sucht, senkt das natürlich den Durchschnitt weiter, und die Leistungen, die beim Bürger ankommen, werden notwendigerweise immer dünner, und das in allen Bereichen des Alltags.

(10) Finanzsenator Sarrazin, 7.5.2004, Vorbemerkung. – Die Schädlichkeit der KLR für Bibliotheken wurde auch auf Bezirksebene gesehen: „Die KLR ist … in der angewendeten Absolutheit häufig nicht zielführend. Bedauerlicherweise sind auf Landesebene keine Anstrengungen, das System grundlegend zu verändern.“ (Februar 2015, 6. Einwohnerfrage)

(11) telefonische Auskunft der ZLB

(12) Bei dieser Umwandlung der Bibliotheken spielt Digitalisierung eine zentrale Rolle. In einer Diskussion führender Bibliotheksleiter über „Digitale Bibliotheksstrategien“ im Juni 2017 stellte der Stellv. Generaldirektor der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek u.a. folgende „Bausteine der digitalen Strategie“ vor: „vertiefte partnerschaftliche Zusammenarbeit; Arbeitsteiligkeit: Spezialisierung; Abbau von hierarchischem Denken: Stärkung von individueller Verantwortung". Genau dies sind die Qualitäten, die Unternehmer heutzutage von ihren Beschäftigten erwarten.

(13) Mehr zur zukünftigen „Smart City Berlin“ hier: „Smart City-Strategie Berlin“ (Stand 21.4.2015).

(14) „Lächerlicherweise“, wenn man nur einmal darauf schaut, wie schon heutzutage Bezirksamt und BVV mit Einwohnerfragen umgehen.


MichaelR - Gastautoren, Politik - 30. August 2017 - 20:48
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ein Kommentar

Nr. 1, M.R., 15.09.2017 - 14:38
Kulturindustrie Die Kulturindustrie schafft kulturelle Waren, die von den Menschen konsumiert werden. Dabei bestimmt deren Tauschwert zunehmend deren Gebrauchswert und Inhalt: Daß ein Buch (CD, DVD) oft ausgeliehen wird (noch gefördert durch den Ankauf anhand von Bestsellerlisten oder von gängigen "Bücherpaketen"), ist wichtiger als die Qualität. Daher werden die Inhalte zunehmend so gestaltet, daß sie von möglichst vielen Menschen einfach und anstrengungslos konsumiert werden können. Dadurch prägt die Kulturindustrie ihr Publikum, dessen Bewußtsein und Bedürfnisse. Sie schafft ein Interesse der Menschen an gleichförmigen, belanglosen kulturellen Waren und zerstört echte Individualität und Persönlichkeit.
(Zusammenfassung von Horkheimer/Adorno zur "Kulturindustrie" durch Patrick Schreiner in "18 Sichtweisen auf das Leben im Neoliberalismus", S. 30 f., ergänzt um die öffentlichen Bibliotheken)

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