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Lesetip des Tages zum Afghanistan-Konflikt

Unser Gastautor Michael hatte hier im Kiezer Weblog unter dem Titel "Was hat Deutschland eigentlich mit Afghanistan zu schaffen?" über geschichtliche Hintergründe zum aktuellen Afghanistankonflikt geschrieben. Weiter folgten mit "Afghanistan, Iran, Nordkorea: immer gut für eine Einmischung" in drei Teilen weitere Artikel.

Aufmerksam geworden und von dort nachgefragt, hat nun die Tageszeitung "junge Welt" eine noch ausführlichere Fassung von MichaelR in der Ausgabe vom 11. September 2009 veröffentlicht:
* "Brückenkopf Afghanistan" - junge Welt vom 11.09.2009


Update: der vollständige Artikel aus der Tageszeitung "junge Welt" jetzt auch hier:
    
  

  

Die Wiedergabe des kompletten Artikels erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Redaktion junge Welt.
Quelle: * "Brückenkopf Afghanistan" - junge Welt vom 11.09.2009

   
 
11.09.2009
Brückenkopf Afghanistan
Hintergrund. Über das Land am Hindukusch versucht die deutsche Herrschaftsriege seit über 100 Jahren, Einfluß in Zentralasien zu erlangen
Von Michael Roeder

Die Anschläge auf World Trade Center und Pentagon am 11. September 2001 nahm die US-Regierung zum Anlaß, um am 7. Oktober 2001 mit ihrem Angriff auf Afghanistan zu beginnen. Nach einem ersten militärischen Erfolg, bei dem die Lager von Al-Qaida zerstört und die Taliban aus der Regierung vertrieben wurden, stand man vor der Frage, wie weiter mit Afghanistan verfahren werden soll. In dieser Situation lud die SPD-Grünen-Regierung zur weichenstellenden Konferenz auf den Petersberg nahe Bonn ein (27.11.–5.12.2001). Dort übernahm die Bundesregierung eine Rolle in der ISAF (International Security Assistance Force).

Seitdem engagiert sich die Bundesregierung dort mehr und mehr im militärischen Bereich und hat die Oberaufsicht über die Polizeiausbildung für ganz Afghanistan übernommen. Alljährlich verlängert der Bundestag parteiübergreifend (mit Ausnahme der Linkspartei) das Bundeswehrmandat, zuletzt im Oktober 2008 um diesmal 14 Monate, wobei gleichzeitig die Obergrenze der dort einsetzbaren Soldaten auf 4500 erhöht wurde; seit Ende Juli 2009 setzt die Bundeswehr nun auch schweres Gerät, also Panzer, offensiv ein. Die Zahl der getöteten deutschen Soldaten beläuft sich nunmehr auf 35, die der deutschen Polizisten auf drei.

Was veranlaßt die Bundesregierung und mit ihr die übergroße Mehrheit des Bundestages dazu, die Bundeswehr zu ihrem bisher größten Auslandseinsatz gerade in dieses ferne, unwirtliche Land zu schicken? Es bestehen seit dem Kaiserreich über annähernd 100 Jahre zwischenstaatliche Beziehungen.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde das herausgebildet, was man heute unter Afghanistan versteht, und zwar im Hinblick auf Territorium und Name. Zwar geht die offizielle afghanische Geschichtsschreibung davon aus, daß es Afghanistan seit 1747 gebe, aber dieses Reich wurde bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht so genannt. Vielmehr verstand man unter Afghanistan das Stammesgebiet der Paschtunen, das sich von Herat im Westen Afghanistans quer über das ganze Land bis weit nach Osten ins Pandschab ausdehnt. Das gesamte Paschtunengebiet gehörte zu diesem Reich wie auch die im Süden gelegene und sich bis zum Arabischen Meer erstreckende Region Belutschistan. Daß heute der Osten des Paschtunengebiets und fast ganz Belutschistan Teile von Pakistan sind, ist eine Folge des »Great Game«, wie Rudyard Kipling in seinem Roman »Kim« (1901) den Kampf zwischen den damaligen Weltmächten Großbritannien und Rußland um dieses Gebiet nannte.

Großbritanniens Ziel war es dabei, seine Eroberungen in Indien abzuschirmen, wohingegen Rußland sich einen Zugang zum Arabischen Meer verschaffen wollte. Während dieser Auseinandersetzungen gingen Stück für Stück Teile dieses ursprünglichen afghanischen Reiches an ­Britisch-Indien verloren: insbesondere die fruchtbaren Ackerbaugebiete im Pandschab, wodurch der größte Stamm Afghanistans, die Paschtunen, in zwei Teile zerrissen wurde, sowie Belutschistan mit seinen für die Nomadenstämme existentiell wichtigen Winterquartieren.

Was übrig blieb und seitdem Afghanistan heißt, ist ein ressourcenarmes, zu fast drei Vierteln landwirtschaftlich nicht nutzbares Gebiet aus Steppen und Wüsten, das zudem vom Hochgebirge Hindukusch in eine nördliche und eine südliche Hälfte geteilt wird und in viele Stammesgebiete zerfällt.


Deutsches Kaiserreich


1878 spielte das Deutsche Reich dann erstmals eine – wenn auch nur indirekte – Rolle für Afghanistan, als auf dem Berliner Kongreß Großbritannien und Rußland erneut Absprachen über Afghanistan trafen, die dann nach dem üblichen Muster von Vertrag und Verrat zum zweiten anglo-afghanischen Krieg (1878) mit weiteren Annexionen führten, aber auch zu einem neuen Herrscher, dem »eisernen Emir« Abdur Rahman (Regierungszeit: 1880–1901), dessen Ziel es war, aus Afghanistan einen straff organisierten und geeinten Staat zu machen. Dem neuen Oberhaupt ging es außenpolitisch darum, eine »Politik des Isolationismus gegenüber Großbritannien« zu betreiben, um die britische Kontrolle über sein Land zu mindern. In diesem Zusamenhang begann er eine eigene Waffenproduktion aufzubauen und wandte sich an die führende Rüstungsfabrik des Deutschen Reiches, das einen deutlich aggressiveren Kurs auch gegenüber Großbritannien eingeschlagen hatte. So lag es auch im deutschen Interesse an einem antibritischen Afghanistan, daß Abdur Rahman ab 1898 den deutschen Techniker Gottlieb Fleischer, einen Angestellten der Firma Krupp, bei der Errichtung der Waffenfabrik »Mashin Khana« in Kabul beschäftigte. Fleischer fiel allerdings 1904 einem Mord zum Opfer, aber eine erste Verbindung zwischen den beiden Ländern war hergestellt.

Der erste offizielle staatliche Kontakt fand dann im Ersten Weltkrieg statt. Er war letztlich aus militärischer deutscher Sicht erfolglos, bestimmte aber für die Zukunft den Charakter der Beziehungen zwischen den beiden Staaten. 1915 traf nach monatelangem Marsch eine gemeinsame Mission der Mittelmächte (Deutsches Reich, Österreich-Ungarn und Osmanisches Reich) in Kabul ein; die deutsche Delegation wurde von dem Diplomaten Werner Otto von Hentig und dem bayerischen Oberleutnant Oskar Ritter von Niedermayer geleitet. Es ging dem Deutschen Reich konkret darum, eine weitere Front gegen Großbritannien zu eröffnen und damit die britischen Kräfte in Europa zu schwächen. Zu diesem Zweck wollte man sich Afghanistans als Instrument bedienen, indem die dort lebenden Stämme zu einem Angriff auf Britisch-Indien bewegt würden, in der Hoffnung, dies könnte der Anstoß zu einer allgemeinen Erhebung gegen die britische Kolonialmacht sein und das Deutsche Reich am Ende gar zu ihrem Nachfolger in Indien machen. Die Stimmung unter den maßgeblichen Kräften in Kabul war günstig, wollte man doch schon lange unabhängig werden, jedoch zögerte Emir Habibullah (1901–1919) mit einer entsprechenden Zusage. Zustande kam schließlich am 24. Januar 1916 ein Vertrag, wonach der Beginn dieses Krieges dann stattfinden sollte, wenn es dem Deutschen Reich gelungen sei, Waffen und Geld ins Land zu schaffen, was allerdings mißglückte.

Der Vertrag enthielt jedoch noch einen weiteren Abschnitt, worin das Deutsche Reich in einer wohlfeilen Geste die Unabhängigkeit Afghanistans anerkannte – dies drei Jahre vor einem entsprechenden Vertrag mit Großbritannien, dem allerdings erst noch der dritte anglo-afghanische Krieg (1919) vorausging. Im Frieden von Brest-Litowsk mit dem neuerdings revolutionären Rußland im März 1918 wurde diese Unabhängigkeit nochmals bestätigt. Die Tatsache, daß das Deutsche Reich als erste europäische Großmacht keine Herrschaftsansprüche gegenüber Afghanistan erhob, es vielmehr in seinem Kampf für Unabhängigkeit von Großbritannien zu unterstützen bereit war, wurde im Land sehr positiv aufgenommen. Seitdem gilt Deutschland als Freund. Daß das Deutsche Reich gar nicht zu kolonialen Ansprüchen in der Lage war und seine politische Unterstützung sich aus seinen globalen strategischen Zielen im Kampf um einen »Platz an der Sonne« ergab, schien dabei keine Rolle zu spielen. Jedoch war im November 1918 diese erste Phase der Zusammenarbeit zu Ende, da das Kaiserreich mit der bedingungslosen Kapitulation und seines revolutionären Umsturzes außenpolitisch handlungsunfähig geworden war.


Weimarer Republik


Der neue König, Amanullah (1919–1929), wollte sein 1919 unabhängig gewordenes Land aus der Isolation führen und modernisieren. Als Partner kam Großbritannien, dessen Vorherrschaft man gerade eben abgeschüttelt hatte, natürlich nicht in Frage. Statt dessen bot sich Deutschland an, von dem man sich als gleichberechtigt behandelt gefühlt hatte und für das der König deshalb große Sympathie empfand. Die neue deutsche Regierung war jedoch sehr zurückhaltend. So ergriff die afghanische Regierung die Initiative und sandte 1921 eine Mission nach Deutschland, um direkt Firmen und Fachleute anzuwerben, aber auch, um über die Aufnahme offizieller diplomatischer Beziehungen zu verhandeln. Während es bis Ende 1923 dauerte, daß die deutsche Gesandtschaft in Kabul schließlich eröffnet wurde, und der Abschluß eines zwischenstaatlichen Freundschaftsvertrages sogar erst 1926 erfolgte, wurden statt dessen Privatpersonen und Unternehmen zur treibenden Kraft. Auch die Reichswehrführung wurde aktiv, indem sie unter Verstoß gegen den Versailler Vertrag, aber in Übereinstimmung mit den Zielen der Hentig-Niedermayer-Mission von 1915/16, inoffiziell einige Offiziere nach Kabul beorderte, um den Aufbau der afghanischen Armee zu unterstützen. Siemens schickte schon 1922 eine Delegation ins Land, und bald waren mehr als 100 deutsche Ingenieure u.a. am Bau von Straßen, Staudämmen, Bewässerungsanlagen und Elektrizitätswerken beteiligt. Mit Hilfe deutscher Architekten und Künstler ließ sich der König einen prächtigen Palast in Darulaman bauen. Im Laufe der 20er Jahre stieg die Weimarer Republik zum drittgrößten Handelspartner Afghanistans auf, wobei natürlich die Relationen berücksichtigt werden müssen, da Afghanistan ein armes Land war.

Im Frühjahr 1928 stattete König Amanullah Deutschland einen glanzvollen Staatsbesuch ab, um den Ausbau der bilateralen Beziehungen zu fördern. Aber da es auf deutscher Regierungsseite kein langfristiges Konzept für eine Afghanistan-Politik gab, erhielt er nur einen Kredit über sechs Millionen Reichsmark (RM). Beim bald folgenden Sturz des Königs Anfang 1929 zeigte sich die Unentschlossenheit der deutschen Regierung gegenüber Afghanistan erneut deutlich, als Außenminister Gustav Stresemann feststellte, Deutschland habe dort »keine politischen Interessen mehr«, und auch wirtschaftlich sei »auf absehbare Zeit nichts zu holen«. Dennoch war Afghanistan in der Zeit zwischen den Weltkriegen das einzige deutsche Standbein in Asien.

Dazu trug – trotz dieser pessimistischen Einschätzung – auch die 1924 in Kabul gegründete deutschsprachige Amani-Oberrealschule bei. Sie wurde bald Teilen des afghanische Bürgertums eine gesuchte Bildungsstätte für ihre Söhne, eröffnete sie ihnen doch den Aufstieg in die Elite des Landes und damit Zugang zu wichtigen Positionen in Staat und Gesellschaft. Für zahlreiche Absolventen schloß sich darüber hinaus ein Studium an einer deutschen Universität (als Stipendiaten der Alexander-von-Humboldt-Stiftung) an. Seit den 30er Jahren gab es kaum eine afghanische Regierung, in der nicht wenigstens ein Mitglied aus diesem Bildungsgang hervorgegangen ist; als Beispiel sei Präsident Babrak Karmal (1980–1986) genannt. Deutsch wurde zur führenden Fremdsprache. Mittels dieser Schule (und nachfolgendem Studium in Deutschland) entstand bei ihren Absolventen eine enge emotionale Bindung an Deutschland, die auf wirtschaftlichem, politischem und kulturellem Gebiet bis heute wirksam ist.


Hitlerdeutschland

Mit der Machtübertragung an Hitler veränderte sich die Situation im deutsch-afghanischen Verhältnis zunächst nicht wesentlich. Der Umschwung setzte erst 1936 spürbar ein, als dem Land ein neuer deutlich höherer Kredit über 15 Millionen RM gewährt wurde. Damit wurden – im Rahmen der von Afghanistan angestrebten Modernisierung – u.a. weitere Industrieobjekte in den Bereichen Elektrizitätsgewinnung und Textilproduktion umgesetzt, die Ausbildung von Technikern (Mechaniki-Schule, 1937 gegründet) gefördert und weitere Straßen gebaut. Im Laufe der 30er Jahre ging die Entwicklung so weit, daß 70 Prozent der afghanischen Industrieausrüstung aus Deutschland stammten und Firmen wie Siemens vor Ort eine wichtige Position einnahmen.

Der Ausbau Afghanistans als deutsches Standbein in Asien hatte also Fortschritte gemacht. Das war insofern von Wichtigkeit, als im Rahmen der »nationalsozialistischen« Orient-Strategie das Land eine bedeutende Rolle spielen sollte. Daher stellte die Diktatur die Aufrüstung Afghanistans zunehmend in den Mittelpunkt ihrer dortigen Aktivitäten. Hitlerdeutschland lieferte Rüstungsmaterial, um eine »Musterdivision« aufzubauen und die Luftwaffe zu entwickeln. Damals begann auch die Ausbildungshilfe für die afghanische Polizei, deren Funktionieren als Herrschaftsinstrument aus Sicht der Zentralregierung in einem ethnisch und politisch derart stark zersplitterten Land besonders wichtig war.

In den deutschen Plänen zur Erlangung einer Weltmachtstellung war für Afghanistan die Rolle eines Brückenkopfes vorgesehen. Von dort aus sollte, war erst einmal die Sowjetunion niedergeworfen, der Angriff auf das »Kronjuwel« Britisch-Indien stattfinden (eventuell in Kombination mit einem japanischen Angriff über Tibet als Zange). In der Vorbereitung wurde auf die alte Strategie aus dem Ersten Weltkrieg zurückgegriffen, also mit Hilfe der afghanischen Paschtunen deren indische Stammesbrüder zum Aufstand anzustacheln. Hinter diesen Überlegungen stand erneut Oskar Ritter von Niedermayer, der 1937 Professor für Wehrpolitik an der Berliner Universität geworden war. Er stieß mit seinem Vorschlag im Oberkommando der Wehrmacht (OKW) und beim Auswärtigen Amt auf große Zustimmung. Diese Pläne wurden allerdings hinfällig, nachdem die deutsche Offensive im Kaukasus 1942 gescheitert war, an die sich der weitere Vorstoß nach Indien hätte anschließen sollen. Übrig blieben lokale deutsche Aktionen in Afghanistan, die geheim stattfinden mußten, weil das Land als eines der wenigen über die Dauer des gesamten Krieges neutral war. Daher war dort seit 1941 ein Sonderkommando der berüchtigten »Brandenburger« auf Anweisung des Amtes Ausland/Abwehr des OKW geheimdienstlich tätig. Seine Aktivitäten gingen zum einen dahin, innerhalb Afghanistans eine Persönlichkeit zu finden, die zum »Heiligen Krieg« gegen die Briten aufzurufen bereit wäre, zum anderen, mit dem antibritischen Widerstand in Indien in Kontakt zu treten. Ersteres mißlang. Der Kontakt zum indischen Untergrund kam aber zustande und führte fernab Indiens zur Gründung der Legion Freies Indien (Infanterie-Regiment [ind.] 950), bestehend aus indischen Kriegsgefangenen. Mit Hitlers Niederlage im Krieg hatten sich dann diese Reste der ursprünglichen Orient-Strategie ebenfalls erledigt.


Westdeutschland


Das Ende des Zweiten Weltkrieges brachte die Entstehung der beiden Blöcke mit ihren wirtschaftlichen und militärischen Bündnissystemen und dem verstärkten Einsatz von wirtschaftlich-technischer und militärischer Zusammenarbeit als machtpolitische Instrumente mit sich. Auch wenn Afghanistan weiterhin neutral war und zur Gruppe der nichtpaktgebundenen Staaten gehörte, blieb es von dieser weltweiten Entwicklung nicht ausgeschlossen: In den 40er Jahren hatten die USA erste Kontakte mit dem Land aufgenommen und das Helmand-Projekt zur Modernisierung der gleichnamigen Provinz eingeleitet. Ende der 40er Jahre verlor Washington aber das Interesse an dem Land und wandt seine Aufmerksamkeit Südostasien zu. Überhaupt kühlten die Beziehungen stark ab, weil die Afghanen nicht die gewünschte Militärhilfe erhalten hatten, weshalb die Regierung die Beziehungen zur Sowjetunion intensivierte, die sogleich bereit war zur militärischen Kooperation (Ausbildung von Offizieren in der UdSSR) ebenso wie zu Wirtschaftskrediten. Das veranlaßte wiederum die USA, sich erneut dem Land zuzuwenden, mit der Folge, daß – in räumlicher Arbeitsteilung – beide Staaten in Afghanistan tätig wurden, die USA im Rahmen ihrer Eindämmungspolitik am Südrand der Sowjetunion und zur Absicherung der Ölquellen im Nahen Osten, die Sowjetunion, um ihre südliche Flanke freizuhalten.

Afghanistan nahm auch bald wieder Kontakt zur BRD auf. Hierbei zeigte sich, daß die in der Zwischenkriegszeit entstandene emotionale Bindung der afghanischen Elite an Deutschland Früchte trug: Gholam Mohamed Farhad, der damalige Bürgermeister von Kabul und einer der ersten afghanischen Studenten der 20er Jahre in der Weimarer Republik, stellte bereits Ende der 40er Jahre die Verbindung wieder her, indem er westdeutsche Experten und Firmen, unter ihnen erneut Siemens, in sein Land einlud. Nach Aufnahme der diplomatischen Beziehungen 1955 gab die BRD dann ab 1956 staatliche Unterstützung in Form von unentgeltlicher technischer Hilfe und von Finanzhilfe durch die Gewährung langfristiger und sehr günstiger Kredite.

Afghanistan wurde erneut ein Schwerpunkt westdeutscher Entwicklungshilfe, die sich bis Ende der 70er Jahre auf etwa 400 Millionen US-Dollar belief. Damit war die BRD der drittwichtigste Geldgeber (nach der Sowjetunion und den USA), Afghanistan seinerseits der drittwichtigste Empfänger westdeutscher Entwicklungshilfe (nach Indien und Ägypten). Zu den Tätigkeitsbereichen zählte u.a. wieder die Ausbildung und Beratung der Polizei, außerdem der Aufbau des Gesundheitswesens sowie von Presse und Kommunikation. Das größte Projekt war jedoch die Entwicklung von Forst- und Landwirtschaft in einer ganzen Provinz (Paktia), gleichzeitig eines der größten westdeutschen Entwicklungsprojekte überhaupt. Ende der 60er Jahre arbeiteten über 800 deutsche Experten im Lande.

Nicht nur auf wirtschaftlichem Gebiet hatte die BRD wieder alte Positionen eingenommen und im Vergleich zur Vorkriegszeit ausgedehnt, sondern dies galt auch für den kulturellen Bereich. Schon 1950 kamen 20 Afghanen als eine der ersten ausländischen Gruppen nach dem Krieg zum Studium in die Bundesrepublik. Die deutsche Schule unterrichtete weiterhin, und Schüler von ihr sowie andere Afghanen erhielten DAAD-Stipendien für ein Studium in der BRD. Die Universitäten Bochum, Köln und Bonn gingen Partnerschaften mit der Kabuler Universität ein. Dort wurden zudem ein Goethe-Institut sowie eine Außenstelle des Deutschen Archäologischen Instituts gegründet. Überhaupt wurde in den 60er und 70er Jahre der Einsatz von westdeutschen Wissenschaftlern, darunter Ethnologen, Geologen und Botaniker, in Afghanistan stark gefördert. Das Land wurde des weiteren beim Aufbau von Berufsschulen unterstützt und eine deutsche Technische Oberschule in Kabul errichtet.
Kapitalfreundliches Afghanistan
Der bisherige Überblick über 65 Jahre deutsch-afghanischer Beziehungen bis zum Ende der 70er Jahre, als sie mit dem Sturz des Daud-Regimes und der Ausrufung der Demokratischen Republik im April 1978 sowie dem sowjetischen Einmarsch Ende 1979 erneut eine Unterbrechung erfuhren, hat gezeigt, wie – über vier Staatsformen und zwei verlorene Kriege hinweg – die BRD mehr und mehr in dem Land Fuß gefaßt hatte. Erfolgreich war man vor allem in dem Bestreben, die weltwirtschaftliche Stellung Westdeutschlands auszubauen, was sich in Afghanistan darin widerspiegelte, daß es die dritte Position gleich hinter den Hauptakteuren USA und UdSSR einnahm – ganz der damaligen globalen Machtkonstellation entsprechend. Im kulturellen Bereich stand man ebenso glänzend da. Auf dem militärischen Sektor war Deutschland jedoch zweimal gescheitert; hier trat erst 2001 eine Wende ein.

Der wesentliche Schritt hin zur Wiederherstellung der (bundes)deutschen Rolle in Afghanistan war die Initiative von SPD und Grüner Partei für die Petersberg-Konferenz Ende 2001. Dieser Vorschlag wurde von Afghanen aller politischen Richtungen begrüßt, da man die BRD weiterhin als ehrlichen Makler ohne neokoloniale Eigeninteressen ansah. Daher wurde auch begrüßt, daß die BRD wieder all die »traditionellen« Positionen einnahm, die Deutschland während des 20. Jahrhunderts erlangt hatte. Dazu gehört die führende Rolle beim Aufbau neuer Polizeistrukturen und bei der Ausbildung der Polizisten.

Seit dem Sturz der Taliban ist Afghanistan auch wieder eines der größten deutschen Entwicklungsprojekte weltweit. Bis 2010 sollen eine Milliarde Euro dort investiert werden. Federführend ist dabei, im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Ihr für Afghanistan zuständiger Projektleiter Andreas Clausing nennt als ein über Projekte wie z. B. Trinkwasser- und Energieversorgung hinausgehendes Generalziel der Arbeit die »Gestaltung einer investitions- und unternehmerfreundlichen Wirtschaftsverfassung«. Umgesetzt wurde dies in Form eines mit der afghanischen Regierung geschlossenen »Investitionsschutzabkommens«, das 100prozentigen Firmenbesitz von Ausländern, Schutz vor Enteignung, Steuerbefreiung in den ersten acht Jahren, Zollreduzierung und vollständigen Gewinntransfer ins Ausland vorsieht. Die Bundesagentur für Außenwirtschaft beschreibt in ihrem Jahresbericht für 2004/2005 das Erreichte so: »Afghanistan kann als eine der offensten Volkswirtschaften überhaupt, auf jeden Fall aber als die offenste Volkswirtschaft der Region bezeichnet werden. Handelsbeschränkungen und Subventionen sind praktisch nicht existent, und die afghanische Regierung zeigt sich sehr aufgeschlossen für Investitionen im Land.« Anzufügen bleibt, daß 90 Prozent der Waren auf dem afghanischen Markt Importe sind. Es ist also gelungen, Afghanistan der deutschen Wirtschaft völlig zu öffnen als Ausgangspunkt für den zentralasiatischen Raum.

Zum Abschluß zurück zur Ausgangsfrage, in der es um die Gründe für den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan ging: Während sich die BRD bis 1990 auf ihre immer stärkere weltwirtschaftliche Rolle beschränken mußte, haben sich seit 1990 aus Regierungssicht Chancen aufgetan, um auch weltpolitisch wieder Bedeutung zu erlangen. Das erfordert jedoch die Fähigkeit und den Willen, sich an Kriegseinsätzen »out of area« zu beteiligen, um seinen Interessen Geltung zu verschaffen. Die Fähigkeit dazu wurde und wird hergestellt durch den Umbau der NATO und, als Teil davon, der Bundeswehr zu Interven­tionsinstrumenten. Der Wille zeigte sich erstmals 1999 im Kosovo. Der Afghanistan-Einsatz ist im Vergleich dazu ein Schritt weiter im Hinblick auf Ort, Dauer und Umfang. Anhand der im Weißbuch 2006 angepeilten weiteren Fähigkeiten der Bundeswehr läßt sich erkennen, daß die zukünftigen Einsätze darüber hinausgehen sollen. Insofern ist der Krieg in Afghanistan ein Zwischenschritt, der auch – durch offizielle Darstellung als »Friedenseinsatz« und seine seit acht Jahren andauernde scheibchenweise Ausdehnung – die deutsche Bevölkerung an Kriegführung gewöhnen soll.

Michael Roeder ist promovierter Historiker und Pädagoge und lebt in Berlin

- Gastautoren, Gesellschaft, Politik - 15. September 2009 - 00:04
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